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48 Stunden, 75 Teilnehmer, 45 Hacks: Die Art Hack Days der Transmediale haben begonnen

ARTE Creative

Seit gestern nacht arbeiten 75 Hacker und Künstler im Haus der Kulturen der Welt in Berlin: Sie haben 48 Stunden um eine Performance, eine Installation, ein Programm oder ein Gruppen- oder Soloprojekt zu realisieren. Die Ergebnisse werden während der Transmediale präsentiert und ausgestellt. ARTE Creative ist live vor Ort und begleitet den kreativen Prozess. 

Die Transmediale, das jährliche Gipfeltreffen rund um neue kulturelle, künstlerische, politische und soziale Themen, findet vom 29. Januar bis 2. Februar 2014 statt. Die Vorträge, Installationen und Projektionen drehen sich diesmal um das Thema "Afterglow". Afterglow, das Licht, das nach dem Sonnenuntergang durch die Abstrahlung der Teilchen entsteht, die in der Atmosphäre zurückbleiben, bildet den Oberbegriff, unter dem die digitale Revolution und alles was sie hervorgebracht hat untersucht werden. Die Möglichkeiten der unbegrenzten Speicherung und die Kommunikation in Echtzeit, können genauso von Kontrollsystemen ausgenutzt und werblichen Zwecken unterworfen werden. Der Dunst der flüssigen "Cloud" schwebt über riesigen, unzugänglichen und hochgesicherten Datenzentren. Die Wahrnehmung des Afterglow, ähnelt hier eher einem Kater als der wohligen Zufriedenheit nach einem guten Essen.

Wird die Bedeutung des "Afterglow" nach der Transmediale wohlmöglich neu aufgeladen werden? "Die Terminologie, die im Rahmen einer solchen Veranstaltung gebraucht wird, ist wirklich mehrdeutig", erklärt Rosa Menkman, Glitch-Künstlerin und Teilnehmerin des Art Hack Day. "Ich würde diesen Worte gerne nachgehen, sie definieren, klassifizieren und dann zusammen mit anderen ein Online-Glossar starten", erklärt sie ihr Projekt vor den 75 Hackern, die Kunst als Medium und Künstlern, die die Technik als Medium nutzen ("hackers whose medium is art and artists whose medium is tech", so das offizielle Motto des Hack Day), während der Kick-off Veranstaltung. In den Sitzreihen versammelt, trägt jeder einen Projektentwurf vor: Die einen tendieren eher zu einer Performance, die anderen zur Entwicklung eines kleinen Programms, einer Installation oder Projektion…

Manche sind mit Gepäck gekommen, so wie Dani Ploeger und Jelili Atiku, die aus Nigeria einen Koffer voller Informatikmaterial afrikanischer Deponien mitgebracht haben: "Back to sender / Retour à l'expéditeur". Die Computer haben noch die Beschriftungen von einer deutschen Bibliothek oder einer britischen Postdienststelle. Jeder der beiden Künstler wird aus diesem Material sein Werk entwickeln. Dani Ploeger hat bereits einen Termin mit einem professionellen Piercer ausgemacht, der ihm das Kabel einer Bildröhre um den Bauchnabel nähen wird. Mit einer kleinen Batterie ausgestattet sendet Dani Ploeger von der Festivalzeit und phasenweise von einem magnetischen Feld aus. In Verbindung mit Stelarc, dem australischen Performance-Künstler, der mit aufsehenerregenden Arbeiten, wie einer im Magen versenkten Skulptur bekannt wurde, bevorzugt er eher ursprüngliche Herangehensweisen und Untergrundaktionen statt Hightechansätzen, um sich den Fragen um den erweiterten Menschen und des Elektromülls zu nähern.

Immer dabei sind phosphoreszierende Bilder und Pyrotechnikmaterial um Licht herzustellen. Ein mexikanisches Kollektiv macht dies mittels Explosionen. Benjamin Gaulon und Jonah Brucker Cohen nähern sich in Form einer Projektion den Themen an. Beide zeichnen seit der ersten Stunde Skizzen einer Installation, die sich zwischen den verschiedenen Gerüsten hindurchschlängeln wird. Der Ort der Transmediale wurde speziell hergerichtet, um zwei Tage und zwei Nächte lang, einen Raum für die 75 Teilnehmer inklusive Material und Ausstellungsfläche zur Verfügung zu stellen. Das Ding der Unmöglichkeit wurde von dem Berliner Raumlabor realisiert, das innerhalb weniger Tage diese riesige Halle in kleine Kokons mit Zwischengeschossen unterteilt und mit Arbeitsflächen und Bildschirmen für die Präsentationen ausgestattet hat. In sich geschlossen, ist dieser Raum nur über einen Wald aus Dreifußmasten zugänglich, einer Installation mit dem Titel "Critical Infrastructure" der Kanadier Jamie Allen und David Gauthier, die damit die Unzugänglichkeit der "Cloud" hinterfragen.

Dem ganzen werden weitere Wände hinzugefügt. "Ich sammle Bierdosen, um daraus Vorhänge zu machen", kündigt eine Künstlerin an. "Und wir suchen uns Zeug zum abfackeln", sagt der Künstler eines japanischen Kollektiv. Sie möchten Bildschirmschoner-Videos thematisieren, die Kaminfeuer zeigen. "Wir könnten eine Deponie einrichten für die Daten, die während dieser zwei Tage genutzt werden", schlägt Kim Asendorf vor. "Ich hätte gern einen Button entwickelt, der einen enormen Kurzfilm generiert, sobald man draufdrückt und alles rausspringt", erzählt uns Constant Dullaart. "Nicht alle Hacker sind immer entgegenkommend", sagt er, die schwere Schneedecke betrachtend, die die Straße bedeckt. "Aber das wäre auch nicht nett gegenüber den anderen gewesen", ergänzt er schnell. 

Tag 2 vor der Eröffnung der Ausstellung… Noch 48 Stunden Wartezeit... Morgen berichten wir weiter... 

Termine: 

Art Hack Day, 27. bis 29. Januar 2014, im Haus der Kulturen der Welt, Berlin
Afterglow: Transmediale 2014: Die Ausstellung vom 29. Januar bis 2. Februar 2014, im Haus der Kulturen der Welt

Zur Finissage werden die Werke teilweise verkauft: "Internet Yami-ichi (Internet Black Market)". Mehr Informationen...

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