Tricks 2 Oonce Oonce

"Auf dem Kunstmarkt mitmischen ist wie Döner essen!": TRICKS #2 über die Wiederholunglunglung

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ARTE Creative

In der zweiten Folge "Oonce Oonce" unserer Popkultur-Show TRICKS, erfahrt ihr alles über Wiederholungen in der Musik. Neben der geballten Ladung Wissen, gibt es außerdem eine Linkliste zum Thema Loops, Wiederholungen und Ohrwürmer. Ergänzungen ausdrücklich erwünscht! Schickt eure Inhalte einfach bis zum 12.5. an arte.tricks@gmail.com. Diese Woche im Interview: der TRICKS-Assistent Hasi International™. Ein Gespräch über seine harte Kindheit im norwegischen Nord-Trøndelag, seine Arbeit als Delphin-Trainer und all die Gemeinsamkeiten zwischen Kunstmarkt und Döner.

ARTE Creative: Bei meiner Recherche für dieses Interview konnte ich sehr wenig über deinen Lebenslauf in Erfahrung bringen. Die Informationen, die ich fand, waren widersprüchlich.

Hasi International™: Ja, ich werde oft verwechselt. Es gibt einen berühmten nigerianischen Jùjú-Musiker der Hasi heißt und einen ehemaligen österreichischen Generalkonsul mit meinem Namen. Dann gibt es noch Besnik Hasi, einen albanischen Fussballspieler und eben eine ganze gesichtslose Armada wehrloser Männer, deren Freundinnen sie mit diesem Ungetüm an Kosenamen stigmatisieren.

Du bist unglücklich mit deinem Namen?

Ich habe mich daran gewöhnt. Leute mit ner dritten Brustwarze lernen auch damit klarzukommen. Das „International“ reißt ‘s raus find ich.

Warum eigentlich International? Man hört ganz klar, dass Du schwäbelst.

Das täuscht. Ich habe sehr lange auf São Tomé gewohnt. Das ist ein portugiesischer Akzent.

Wo kommst Du ursprünglich her?

Also ich bin in der Nähe von Bergsmoen in der Provinz Nord-Trøndelag in Norwegen aufgewachsen. In so einer kleinen Holzfällersiedlung. Es gab dort keine Frauen oder andere Kinder, nur große bärtige Typen mit rauen Händen und Flanellhemden. Es wurde nicht viel geredet, weshalb ich bis heute kaum norwegisch kann. Deshalb erfuhr ich auch nie etwas über meine wirkliche Herkunft. Im Dorf munkelte man ich sei das uneheliche Kind irgendeiner royalen oder adeligen Norwegen-Reisenden. 

Stimmt das mit dem Delfintrainer?

Das ist eine lange Geschichte. Mir wurde es irgendwann zu grau in Bergsmoen. Ich hatte einen Herzfehler und durfte nie mitarbeiten. Zu anstrengend. Ich bin dann ganz blauäugig nach Washington gereist. Die Sterne waren für mich der einzige Sehnsuchtsort in den dunklen Wäldern von Nord-Trøndelag. Ich wollte Astronaut werden. Doch das ging dann nicht aufgrund meines Herzfehlers. Eigentlich auch klar. Ich sparte auf die OP mittels Gelegenheitsjobs und machte dann Karriere als Delphin-Trainer.

Was macht man als Delphin-Trainer?

Also nicht dieses Sea-World-Kunststückchen-Ding, sondern das mit autistischen Kindern.

Aber das war dann gar nicht mehr in Washington…

Nein, ich habe mich mit Zwischenstopp in North Carolina runtergehangelt und dann mein eigenes „Dolphin Therapy Center“ in Florida aufgemacht. Wir haben gute Fortschritte erzielt. Aber irgendwann taten mir Diamond, Gracia und vor allem Bubbles...

... waren das die Namen Deiner Delphine?

Ja.

Ein Delphin hieß wie der Affe von Michael Jackson?

Andersrum. Michael war öfters bei uns um verstörten Kinder zu helfen. Er liebte Bubbles. Jedenfalls taten mir meine Flossenfreunde herzlich leid und ich ließ sie frei und ging nach Argentinien, um meine eigene Religion zu gründen.

Bei aller Sympathie aber Dein Lebenslauf klingt zusammenfantasiert.

Na gut, also das letzte war gelogen. Ich bin erst nach São Tomé und später dann nach Berlin um Künstler zu werden, aber das war in ähnlichem Maße aussichtslos bis größenwahnsinnig.

Dein Partner Tracky Birthday hat in unserem letzten Interview erzählt das ihr eure Kindheit in einem Waisenhaus verbracht und später in einer Datsche bei Ludwigshafen gelebt habt.

Ach er nu wieder. Tracky tut gern so als wären wir die dicksten Buddies. Seit Jahren lädt er mich vergebens zu seinen Geburtstagsfeiern ein. An seiner Hochzeit wartete die Hochzeitsgesellschaft geschlagene drei Stunden, weil er behauptete ich würde noch kommen und die Braut zum Altar führen.

Autsch!

Schlimm, ja. Ich gebe ihm immer wieder zu verstehen, das unsere Partnerschaft für mich eine reine Zweckbeziehung ist, er ist ein toller Musiker, ich lustig, aber er will es einfach nicht wahrhaben. Noch schlimmer: gelegentlich ertappe ich mich dabei total gemein zu ihm zu sein, aber er bekommt das nicht mit. Er hat einfach einen Narren an mir gefressen. Vielleicht liegt es an meiner Wirkung auf Frauen, vielleicht erinnere ich ihn an jemanden oder etwas, keine Ahnung. 

Tracky sagte in unserem letzten Interview, du wärst eigentlich vollkommen überflüssig für die Sendung TRICKS.

Haha! Das sieht ihm auch wieder ähnlich. Er ruft mich manchmal an und ich bin mit Autogrammkarten schreiben beschäftigt. Das wurmt ihn. Aber eine Show, in der er ein bisschen auf der Gitarre rumeiert guckt sich niemand an. Wenn wir ein Banana-Split wären, wäre er die Banane. Ich das Eis, die Schokosauce, die Schlagsahnehaube und die Sprenkel obendrauf. Ich habe alle Witze in dieses Drehbuch geschrieben!

Wirklich?

Nein, aber fast alle. Alle die witzig sind.

Im Fragebogen zu einem Medikamententest der Uni Potsdam hast Du als Berufsbezeichnung „Privatier“ eingetragen. Was macht der Privatmann Haslauer in seiner Freizeit?

Oha! Gut recherchiert Herr Kollege Interviewer! Ich folge mit meinen Freizeitbeschäftigungen dem Lauf der Jahreszeiten. Im Frühling kümmere ich mich darum, das Gehege meines Patentieres "Woozy" auf Vordermann zu bringen und baue Kresse an. Im Sommer lasse ich mich piercen, streichel Hunde und springe Bungee. Oft gehe ich auch in den Park und verprügele Bongotrommler oder Leute die Bongotrommler gut finden. Im Herbst schnitze ich gerne lustige Kürbisgesichter und gnarbel. Im Winter schimpfe ich auf das Wetter und fahre miesgelaunt U-Bahn.

Was genau ist denn gnarbeln?

Mist, das ist mir so rausgerutscht. Das ist eigentlich streng geheim.

Noch eine Frage von einem "User": Ist Hasi International eine Kunstfigur?

Schwierig zu sagen. Derletzt saß ich mit Grace Jones bei einem MaiTai in so einem Oma-Café am KuDamm und sie meinte, das kürzlich ein Reporter sie interviewen wollte, mit dem Zweck die "echte" Grace Jones kennenzulernen. Da fragte ich mich: Warum zum Teufel will man die "echte" Grace Jones kennenlernen? Wenn sie dann erzählen würde, dass sie privat Frotteeschlüpfer trägt, wäre das dann "echt"? Jeder inszeniert sich doch in gewisser Weise selbst. Heutzutage mehr denn je. Um ihre Frage zu beantworten: Ja, Hasi International ist eine Kunstfigur, aber das bin auch ich. 

Wie geht es weiter mit TRICKS?

Wir haben viel vor um ehrlich zu sein. Wir haben Blut geleckt. Das hat uns wirklich sehr viel Spaß gemacht und Ideen sind auch noch unendlich viele da. Ich hab so ein Fließband im Kopf. Da laufen unentwegt Päckchen mit Scheiße drin ins Leere. Ich muss die nur schnappen und auspacken. Bisher hab ich kein Medium dafür gefunden. Ich will auch unbedingt mal eine Casting-Show machen, wo jedes Mal fünf Promis in der Jury sitzen und die Kandidaten dürfen die dann beschimpfen. Der meist gehasste Promi bekommt am Schluss dann ein Dschungel-Camp-Menü, ein Shooting mit Heidi Klum und muss zu Lanz auf die Couch. 

Und die Kunst?

Ich will eine Band gründen die „Nirvana“ heißt. Oder „Taliband“. 

Ich meine die bildende Kunst.

Achso. Hmmm... Ich weiß es selbst nicht. Ich bin da ja ganz naiv reingeschlittert vor drei Jahren und dachte: „Irgendwie wird man sich schon durchsetzen, wenn man gute Kunst macht und beharrlich bleibt.“ Aber dass Qualität so wurscht ist und anbiedern so wichtig, hätte ich nicht gedacht. Wenn man auf dem Kunstmarkt mitmischen will... ist das wie Döner essen. Man wusste zwar irgendwann, dass man Knoblauch- statt Kräutersoße nehmen soll, weil die laut Verbraucherschutzministerium Ejakulat enthält, aber dann riecht man hinterher nach Knoblauch und die Soße hängt so oder so am Kinn.

Man macht sich immer schmutzig...

Ja, ich bin zwar hungrig, aber als ich im Imbiss drinstand und mir überlegt habe was ich will, hat‘s mir dort zu sehr gestunken.

Man könnte den Imbiss wechseln...

Vielleicht find ich beim Flanieren einen Neuen. Würd mich freuen. Um das Bild überzustrapazieren, kennst Du die Typen, die mit der einen Hand Döner essen, mit der anderen Hand versuchen SMS zu schreiben, ein Auge dabei zukneifen, weil sie sonst nicht mehr zu fokussieren in der Lage sind und aus dem offenen Hosenstall guckt ein blauer Hemdzipfel raus?

HAHA! Ja das Bild kennt man.

So sieht in meiner Fantasie ein Galerist aus.

Ein schön derbes Ende für ein Interview.

Finde ich auch.

Irgendwelche letzten Worte?

If you sprinkle, while you tinkle, be a sweetie, wipe the seatie.

 

Hier gibt's den Soundtrack zu TRICKS und jede Woche einen neuen Track für euch zum Download!

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LINK BATTLE! Schickt uns alles zum Thema Loops, Wiederholung, Ohrwürmer. Bester Fund gewinnt ein Buch.

Dieses Kind hier demonstriert die Macht der Wiederholung am wohl wirkungsvollsten. Mit so wenig so viel zu erreichen ist eine wahre Kunst... Ohrwurm-Alarm! Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt.

Andy Kaufman hat auch total Bock.

Jeder kennt doch noch Kylie Monoqgues Musikvideo zu "Come into My World", vom Schleifendreher Michel Gondry. Und täglich grüsst das Murmeltier...

Wenn sonst nichts klappt, Wiederholung wiederholen ist ein echt empfehlenswertes Buch, kann man auch mehrmals lesen!

Hier noch der Link zu Michael Bell-Smiths Subterranean House (Oonce Oonce).

Die Loop-Installation in unserer Episode ist von Tilman Fälkers "Track Patterson" inspiriert, er hat uns auch die Spielzeug-Eisenbahn ausgeliehen.

Hier das Werk von Pierre Schaeffer, auf das wir damit verweisen.

Zu meinen Vorbildern gehört ganz klar auch Kendall Wrightson und sein 60-Sekunden Track. Ganz schön lässig, Alta..

Bodenständig 2000, die aber wirklich beste Band aller Zeiten, haben ein wunderschönes Lied zum Thema Schleifen gemacht, namens "Saureschnauze". Kennste nicht?

Animierte GIFs sind heute fester Bestandteil von Internetkultur und digitaler Folklore. Lange Videosequenzen waren früher einfach zu gross / die Modems zu langsam, da war die Wiederholung einer kurzen Sequenz ohne Ton der beste Weg wenn's um Bewegtbild ging. Wenn man's clever macht, merkt's nicht mal jemand.

Kennt Ihr noch mehr Zeug zum Thema Loops, Wiederholung, Ohrwürmer? Dann her damit!

Alles okeh, Kartoffelpüree,

Tracky & Hasi

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