Die Idee des Jahres:  Kyl 21

Die Idee des Jahres: Futuristisches Eis, Plastikflaschen-Insel und Musik-Tattoos

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ARTE Creative

ARTE Creative hat einhundert Persönlichkeiten aus der Kunst- und Kulturwelt gefragt: Was ist die Idee des Jahres 2104? Zehn unkonventionelle, radikale und besonders innovative Ideen werden hier vorgestelolt. Eine Idee als Video, neun Ideen in Textform. Keine Visionen oder Utopien, sondern ganz konkrete Produkte, Dienstleistungen und Werke aus der Kunst, Kultur- und Kreativwirtschaft. Diese Webserie entsteht in Kooperation mit ZEIT Online

31. "Kyl21"

Eis am Stiel in neuem Stil: "Für mich ist jedes Eis eine Skulptur", sagt der Berliner Designer und Gourment David Marx. Er produziert, zusammen mit seinem Kollegen Philipp Martin, Eis am Stiel in Form pyramidenförmiger Waden oder des Berliner Fernsehturms. Aber nicht nur die Form von Kyl21 mutet futuristisch an, auch seine Masse unterscheidet sich von herkömmlichen, industriell gefertigten Produkten: David und Philipp verwenden nur "gesunde" Zutaten, das Eis ist frei von Zusatzstoffen, ökologisch korrekt und meist bio, vegan und/oder laktosefrei. Hier wird nicht mit Pulver gearbeitet, sondern mit echter Schokolade. Auf Sahne verzichten sie gänzlich, zum Süßen verwendet David und Philipp Kokosblütensirup. Um die bunte Flüssigkeit dann auch zu Eis zu machen, setztet das Duo auf einen extra schnellen Gefrierprozess – David und Philipp gefrieren ihr Eis mit flüssigem Stickstoff, bei minus 200 Grad. So wird möglich, was die Industrie nicht schafft: Der Alkohol im "Cocktail"-Eis bleibt erhalten und Zucker und Fett zur Konservierung werden überflüssig. Vier Jahre hat David Marx übrigens nach der optimalen Fassung für sein Eis gesucht, bis er eine gefunden hat, die den hohen Minustemperaturen standhält.

32. "Fliegende Autos" - vorgeschlagen von Alain Bieber, Leiter ARTE Creative

"Ich erinnere mich noch ganz genau: Schon als Kind fesselte mich die "Dudu"-Reihe (Ein Käfer geht aufs Ganze, 1971; Ein Käfer gibt Vollgas, 1972; Ein Käfer auf Extratour, 1973; Das verrückteste Auto der Welt, 1974; Zwei tolle Käfer räumen auf, 1978). Lange vor David Hasselhoffs sprechenden Auto K.I.T.T. in Knight Rider (1982 bis 1986) gab hier bereits ein intelligentes Auto, dass nur so vor Gadgets strotzte – es konnte fliegen wie ein Helikopter, schwimmen wie Amphibienfahrzeuge und sogar Hauswände erklimmen. Die US-Firma Terrafugia (lateinisch für: Der Erde entkommen) baut jetzt fliegende Autos und verspricht die Mobilität der Zukunft nachhaltig zu verändern. Der Traum vom Fliegen (für Jedermann) scheint in greifbarer Nähe." - Alain Bieber, Projektleiter ARTE Creative

33. Street-Art-App "Markr" - vorgeschlagen von Rudolf D. Klöckner, Stadt-Blogger

"Tagtäglich sind wir in unseren Städten von Kunst im öffentlichen Raum umgeben. Manchmal kennen wir den oder die Künstlerin. Oft kennen wir den Künstler hinter dem Kunstwerk jedoch nicht. Meine Idee des Jahres ist die Urban-Art-App "Markr". Das Programm für das Smartphone erkennt, ähnlich wie Musikerkennungsdienste wie zum Beispiel "Shazam", Street-Art auf der Straße. Der User sieht ein Kunstwerk im öffentlichen Raum, macht ein Foto des Werkes und die App ermittelt über das Internet den dazugehörigen Künstler. Die App hilft uns so, sich im Kunstdschungel der Städte besser zu orientieren." - Rudolf D. Klöckner, Kunst- und Stadt-Blogger Urbanshit

34. "Checkrobin" - vorgeschlagen Günther Friesinger, Philosoph

"Die Idee des Jahres ist für mich ein Projekt das ich Anfang 2014 entdeckt habe und zwar handelt es sich um eine Onlineplattform auf der sich Privatpersonen vernetzen können, um auf einfache und schnelle Art und Weise unterschiedliche Sendungen, vom kleinen Kuvert bis hin zum Paket privat zu transportieren. Initiativen in denen sich User_innen von bestehen Systemen emanzipieren und unabhängig machen können, wie Möglichkeiten sich z.B. über Crowd-Funding auch zusätzliche Finanzierungsmodelle zu erschließen finde ich spannend und in unserer Zeit wichtig. Aus diesem Grund nominiere ich die Crowd-Transporting Plattform "checkrobin" zur Idee des Jahres!" - Günther Friesinger, österreichischer Philosoph

35. "Human Beeing" - vorgeschlagen von Susa Pop, Leiterin von Public Art Lab Berlin

"Zusammen mit Schülern und lokalen Imkern wurden Bienenstöcke aufgebaut und über den Sommer hinweg mit Kameras begleitet. Mit dem Projekt machen die Künstler den Mikrokosmos der Biene im urbanen Raum für alle sichtbar und nachvollziehbar - und zwar durch schicke Visuals und nicht durch Teaching and Preaching! Deshalb haben wir dieses Jahr im Rahmen des Connecting Cities Netzwerks das Projekt "Human Beeing" von The Constitute ausgewählt und produziert. In vier Städten, Helsinki, Berlin, Madrid und Liverpool, nehmen die Bienen die Hausfassaden überlebensgroß ein und verwandeln die Gebäude in einen lebendigen Bienenstock." - Susa Pop, Public Art Lab

36. "Insel aus Plastikflaschen" - vorgeschlagen von Charles Ayats, Designer

"Die Idee des Jahres ist es, den Prototypen einer besseren Welt zu kreieren. Etwas zu unternehmen, anstatt nur zu träumen oder sich einfach zu ergeben. Als eine solche Avantgarde einer zukünftigen "Waterworld" kann Richard Sowas Projekt gesehen werden: Der britische Künstler baute sich seine eigene schwimmende Insel aus weggeworfenen Plastikflaschen. Hier trifft Upcycling #DIY" - Charles Ayats, Interaktiver Designer

37. "Einkleiden" - vorgeschlagen von Mariola Brillowska, Künstlerin

Gesellschaftskritik im Bad-Taste-Mantel: Mariola Brillowska bedient sich für ihre Kritik am Kapitalismus eines ganz besonderen Zugangs. Die deutsche Künstlerin wählt nicht diejenigen Kleidungsstücke für ihre Probanten aus, die ihr gefallen, sondern jene, die sie für besonders hässlich hält: "Ich möchte den Wohlstandsüberfluss an Kleidern zeigen und deren nichtnachhaltigen, trashigen Stil recyceln", sagt Mariola Brillowska über ihre Idee. Kommen genügend verschiedene Outfits zusammen, veranstaltet Mariola Brillowska einen Styling-Contest. Demnächst will die Künstlerin auch eine Autohaube mit ihren Kleidungsstücken einkleiden. Alle Klamotten stammen übrigens aus ihrer eigenen Garderobe.

38. "Musik-Tattoo"

Ein acht mal 20 Zentimeter großes Strichcode-Tattoo ziert den Unterarm des russischen Künstlers Dmitry Morozow. Und wenn er mit seinem Scanner drüberfährt, spielt es: Musik! Dmitry Morozow ist Gitarrist und selbsternannter Ingenieur. Die Idee für den Tattoo-Scanner entstand, als er seine Leidenschaft zur Musik mit der zu Robotern vereinte. Morozow hat zunächst mittels Photoshop einen Barcode erstellt, danach das Gerät aus einem Schrittmotor, einem Nintendo Wii und einem Scanner mit zwei Sensoren gebastelt. Das Gerät scannt das Unterarm-Tattoo und erzeugt Musik: Die Breite der Striche gibt dabei die Länge jedes Tons vor. "Es geht mir darum, eine Verbindung von Technologie und Körperkunst zu schaffen.", sagt Morozow. 

39. "Air Umbrella"

Drei PhD-Studenten aus China wollen den Regenschirm ins digitale Zeitalter bringen und setzten mit ihrem "Air Umbrella" eine echte Regenschirm-Evolution in Gang: "Air Umbrella" erzeugt ein Kraftfeld aus Luft und hält seinen Benutzer so trocken. Er sieht aus wie ein überdimensionierter Dildo, bietet aber, gegenüber dem konventionellen Regenschirm, mehrere Vorteile: Selbst bei starkem Wind kehrt er sich nicht nach außen und man sticht in einer großen Menschenmenge auch niemandem die Augen aus. Außerdem: Auch das optische Update wär längst fällig, wenn man bedenkt, wie lange die Erfindung des Regenschims nun her ist: Nämlich zirka 3000 Jahre.

40. "Chargeboard"

Praktisch: Dieses Skateboard produziert Strom während des Fahrens. Wenn du also mit dem Boarden fertig bist, kannst du kannst damit dein Handy aufladen oder Musik spielen. Diese Idee stammt von Bjorn van den Hout, einem holländischen Studenten, der sich ärgerte, dass sein I-Pod-Akku während der Skate-Sessions immer den Geist aufgab. In zwei der "Chargeboard"-Rollen befinden sich kleine Dynamos. Sie erzeugen je sechs Volt, die in einer, auf der Unterseite des Board befestigten Batterie gespeichert werden.

Weitere Ideen: 
Die Ideen des Jahres 1-10: Kaffee-Kraftstoff, Edward Snowden und ein twitternder Dachs...
Die Idee des Jahres 11-20: Solarleuchten, Mini-Drohnen und Entscheidungsfindung per Crowdsourcing
Die Ideen des Jahres 20-30: Roboter für Kinder, Anthropozän und ein psychatrisches Softwarediagnosegerät

Credits:
Video-Produktion: Martin Dunkelmann, Musik: https://soundcloud.com/akia. In Kooperation mit: ZEIT Online.

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