Die Idee des Jahres: bio bean

Die Idee des Jahres: Kaffee-Kraftstoff, Edward Snowden und ein twitternder Dachs

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Martin Dunkelmann

ARTE Creative hat einhundert Persönlichkeiten aus der Kunst- und Kulturwelt gefragt: Was ist die Idee des Jahres 2104? Zehn unkonventionelle, radikale und besonders innovative Ideen werden hier vorgestelolt. Eine Idee als Video, neun Ideen in Textform. Keine Visionen oder Utopien, sondern ganz konkrete Produkte, Dienstleistungen und Werke aus der Kunst, Kultur- und Kreativwirtschaft. Diese Webserie entsteht in Kooperation mit ZEIT Online

1. "Bio Bean" - vorgeschlagen von Martin Dunkelmann, TV-Journalist, Politologe, Filmemacher

"Während der Dreharbeiten mit Arthur und Ben hatte ich ständig nur ein Frage im Kopf. Warum bin ich nicht auf diese Idee gekommen? Die zwei UCL-Absolventen haben mit 23 und 27 Jahren ein Business aufgebaut, dass nicht nur nachhaltig ist, sondern den beiden auch noch grenzenlosen Reichtum bescheren wird. Da bin ich mir sicher. Die beiden sammeln einfach den gesamten Kaffeesatz Londons ein und machen ihn zu Biodiesel. Fast 200.000 Tonnen der braunen Masse fallen hier jährlich an. Die Briten stehen eben doch nicht nur auf Tee. "Powered by Coffee" - was früher auf der Mülldeponie landete, treibt heute die Londoner Busse und Taxen an. Ok, ich gebe zu, wir reden hier noch nicht von Elektroautos oder Wasserstoff-Antrieb, sondern von stinkigem Diesel. Trotzdem ist es eine saugute Idee. Denn bei "Bio Bean" gibt es quasi kein Abfallprodukt. Aus einer Tonne Kaffeesatz machen die Jungs nämlich nicht nur 250 Liter Biodiesel, sondern auch noch 750 Kilogramm brennbare Biopellets. Die Dinger haben einen höheren Brennwert als klassische Holzpellets. Saubere Idee!" – Martin Dunkelmann, TV-Journalist, Politologe, Filmemacher

2. "Bedingungsloses Grundeinkommen" - vorgeschlagen von Lars Hendrik Gass, Leiter des Festivals Kurzfilmtage Oberhausen

"Ich möchte nicht mit Kunst die Welt verändern und möchte mich auch nicht darauf festlegen lassen, sondern mit einem Bedingungslosen Grundeinkommen, das aus meiner Sicht die Lösung darstellt sowohl für eine sich rapide verändernde Arbeitsgesellschaft, die weite Teile der Bevölkerung verarmen lässt und sozialer Kontrolle unterwirft, als auch für eine zunehmend älter werdende Gesellschaft, die sich das gegenwärtige Rentensystem nicht mehr leisten kann. Niemand hat dies aus meiner Sicht schlüssiger formuliert als Adrienne Goehler und Götz Werner in dem Buch "1.000 Euro für jeden: Freiheit. Gleichheit. Grundeinkommen" (2011). Derweil geht es politisch munter weiter wie immer, nur noch schlimmer.“ - Lars Hendrik Gass, Leiter des Festivals Kurzfilmtage Oberhausen

3. "Fairphone" - vorgeschlagen von Friedrich von Borries, Architekt, Kurator, Autor

"Fairphone! Finde ich wirklich interessant, stammt aus dem Kunstkontext, ist vom Design interessant und und und." – Friedrich von Borries, Architekt, Kurator, Autor

4. "Video Beauty of Maths" - vorgeschlagen von Paul Ouazan, Filmemacher, Atelier de Recherche, ARTE France

"Wenn ich auf ein Werk neidisch bin, weil ich die Idee dazu nicht hatte, ist das ein eher gutes Zeichen. Oft zeichnen sich diese Werke qualitativ aus. Dieses Video von Nicolas Lefaucheux und Yann Pineill ist ein Kondensat "bescheidener" Poesie. Sie verwandelt unser alltägliches und unbedeutendes Nichts in mysteriöse Momente, die sich in ein komplexes und atemberaubendes Universum verwandeln. "Beauty of maths" ist eine Ephiphanias in Videoform." - Paul Ouazan, Filmemacher, Atelier de Recherche, ARTE France

5. "Corporate Design der Kunsthalle Wien" - vorgeschlagen von Nicolaus Schafhausen, Direktor der Kunsthalle Wien

"Die Entwicklung des neuen Corporate Designs der Kunsthalle Wien durch den Grafiker Boy Vereecken. Auf Grund der Tatsache, dass es sich dabei um eine dynamische Designidee handelt, üblicherweise ein absolutes NoGo, sowie der Tatsache, dass das Corporate Design das absolute Gegenteil der reduzierten Logos zeitgenössisch agierender Kunstinstitutionen ist, sorgt das Kunsthallen-CD seit seiner Einführung im Frühjahr 2013 für Aufregung." - Nicolaus Schafhausen, Kurator, Kunsthistoriker, Kunstmanager. Seit 2012 Direktor der Kunsthalle Wien

6. "Der twitternde Dachs" - vorgeschlagen von Ada Blitzkrieg, Journalistin und Social Media Konzepterin

"Der twitternde Dachs aus Südafrika ist ein echter Tausendsassa. Das Social Media affine Tier fungierte zunächst als Notlösung, da der Johannesburger Zoo nicht über die notwenigen finanziellen Ressourcen verfügte, um einen Social Media Experten zu beschäftigen. Kurzerhand installierte man Kameras mit Bewegungssensoren im Gehege des kleinen Kerls, die durch bestimmte Bewegungen ausgelöst werden und automatisch einen Live-Tweet generieren. Der Dachs vereint Cuteness, Technik und Social Media zu einer herzerwärmenden Einheit, die einfach nur Freude macht, wenn sie Dinge wie "I like big bugs and I cannot lie" von sich gibt. Außerdem ist er der erste nur 12kg schwere Social Media Manager mit nennenswerter Reichweite." - Ada Blitzkrieg - Journalistin und Social Media Konzepterin

7. "Plastikmüll in Rohöl zurückverwandeln" - vorgeschlagen von Inke Arns, künstlerische Leiterin des Hartware MedienKunstVerein Dortmund

"Folgende Ideen sind für mich potentielle Ideen des Jahres: Die japanische Firma Blest hat eine Maschine entwickelt, die unseren Plastikmüll in Rohöl zurückverwandeln kann. Und der afghanische Designer Massoud Hassani hat aus Gummi und Bambus einen mit Windkraft angetriebenen Landminen-Räumer gebaut." - Inke Arns, Autorin, Kuratorin und seit 2005 künstlerische Leiterin des Hartware MedienKunstVerein Dortmund

8. "Edward Snowden" - vorgeschlagen von Evan Roth, Künstler

"Die konkurrenzlos beste Idee kam von Edward Snowden. Er hat nicht nur den Diskurs über Privatsphäre komplett verändert (nicht nur in den USA, sondern auf der ganzen Welt), sondern auch ein inspirierendes Beispiel geschaffen, dass eine einzige Person extrem viel Einfluss auf die weltgrößten Unternehmen und Regierungen ausüben kann." - Evan Roth, Künstler

9. "Computerheizungen" - vorgeschlagen von Blaise Mao, Redakteur Usbek & Rica

"Sich kostenlos wärmen dank Computer? Das ist das Ziel des französischen Start-Ups Qarnot Computing. Sie möchten Computerserver bei Privatpersonen anbringen und diese Personen hätten damit eine kostenlose Heizung. Die Firma, die 10.000 erste "Computerheizungen" plant, sucht Investoren, um das Projekt zu industrialisieren. Außerdem finden wir spannend: Flaschen, die Elendsviertel erleuchten. Nehmen Sie eine leere Plastikflasche, befüllen sie diese mit Wasser und ein wenig Chlor, stechen sie ein Loch in das Wellblechdach einer Baracke, hängen sie die Flasche auf, und das Sonnenlicht wird das Innere des Hauses beleuchten. Eine Erfindung von Alfred Moser, der hofft mit seinem Projekt "Liter of Light" eine Millionen Baracken in den Elendsvierteln zu beleuchten. Auch sehr innovativ: Sensoren, um das Leben von älteren Menschen zu retten. Um zu verhindern, dass ältere und allein lebende Menschen, aufgrund eines Sturzes, mehrere Stunden am Boden liegen bleiben, haben deutsche Firmen safe@home entwickelt. Sensoren sind strategisch in der Wohnung verteilt und lösen einen Alarm aus, der die Familie benachrichtigt, im Falle eines Notfalls." - Blaise Mao, Redakteur Usbek & Rica

10. "Open Source Laserschneidgerät" - vorgeschlagen von Addie Wagenknecht, Künstlerin

"Was mir als erstes in den Kopf kommt, ist der "Open Source Laserschneidgerät", den wir entwickelt haben. Es wird bereits von hunderten von Menschen und auch Universitäten genutzt und wir sind gerade aus dem Beta-Stadium heraus." - Addie Wagenknecht, Künstlerin

Credits:
Video-Produktion: Martin Dunkelmann, Musik: https://soundcloud.com/akia. In Kooperation mit: ZEIT Online.

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