Die Idee des Jahres - Urban Invention

Idee des Jahres #8: Ampel-Pong, Katzen-Experiment und Mario in HD

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Martin Dunkelmann

Was ist die Idee des Jahres? Wir stellen euch jeden Monat zehn unkonventionelle, radikale und besonders innovative Ideen vor. Eine Idee als Video, neun Ideen in Textform. Keine Visionen oder Utopien, sondern ganz konkrete Produkte, Dienstleistungen und Werke aus der Kunst, Kultur- und Kreativwirtschaft. Und ihr könnt mitmachen: Schreibt uns (#ideedesjahres) welche Ideen Euch in diesem Jahr besonders beeindruckt haben! Diese Webserie entsteht in Kooperation mit ZEIT Online

61. "ActiWait"

Die Intervention gegen die Langeweile – das ist "ActiWait", erfunden von Amelie Künzler und Sandro Engel ("Urban Invention"). Der ActiWait macht es möglich während der Wartezeit an einer Ampel mit dem Fußgänger gegenüber Pong zu spielen – so lange bis die Ampel auf Grün umschaltet. "ActiWait" soll Menschen jedes Alters ansprechen, und sie, wie der Name schon sagt, "aktivieren", erklärt Amelie Künzler: "Wir wollen durch das Spiel die Schale der Anonymität aufbrechen und menschliche Wärme entstehen lassen". 

62. "Recho"

Teile deine Töne! Auf der ganzen Welt, mit jedem, "Recho" macht es möglich. Hör dir Feuerwerke, Musik, Gedichte an, Kindern beim Spielen zu, oder versetze dich mit dem Klang von knarrenden Treppen in ein Halloween-Feeling. Per GPS werden die aufgenommenen Sounds deinem aktuellen Standort zugeordnet. 

63. "Anti-Date App"

Bist du eine Frau, die es satt hat, ständig von Typen angeschrieben zu werden, die nicht deinem Geschmack entsprechen? "Antidate" macht es möglich, sie zu lokalisieren. Deine eigenen Koordinaten werden dabei nur angezeigt, wenn du die Männer die dir gefallen im Chat kontaktierst. Es bleibt dir überlassen. Denn: Auf Antidate machen die Frauen den ersten Schritt! Für die, die außerhalb heteronormativer Beziehungen daten wollen, soll es übrigens bald eine Spezialversion geben: "Antidate" für LGBTQ.

64. "Drinkable Book"

Mehr als 3,4 Mio. Menschen sterben jährlich, weil ihnen kein trinkbares Wasser zur Verfügung steht. Die meisten wissen nicht, welches Wasser sie trinken können und welches nicht. Theresa Dankovich, eine Chemikern der University of Virginia, hat sich zusammen mit weiteren Forschern der Organisation "Water is Life" diesen Problemen angenommen und das "Drinkable Book" (trinkbares Buch) entwickelt: Auf Filterpapier gedruckt, reinigt es Wasser von gefährlichen Bakterien. Mit nur einer Seite kann Trinkwasser für 30 Tage erzeugt werden – das ganze Buch reicht, um eine Person 4 Jahre lang mit sauberem Wasser zu versorgen. Zusätzlich ist jede Seite des Buches mit Hygiene-Tipps bedruckt. Wer für die Herstellung möglichst vieler Exemplare spenden will, kann das hier tun.

65. "Product Hunt"

"Product Hunt" ist DIE Seite für jene, die immer nach den neusten (technologischen) Innovationen lechzen. Geründet im November 2013, werden täglich zehn originelle Produkte – Apps oder Hardware – linar auf der Website aufgelistet und bewertet. Seit 2014 können Userinnen und User auch eigene Ideen vorschlagen.

66. "Depression Quest" – vorgeschlagen von Anne Pohl, Publizistin und Gründerin von feminismus101.de:

"Zoe Quinn hat 2013 die erste Version ihrer kostenlosen Visual Novel 'Depression Quest' veröffentlicht. Als es 2014 auf der Plattform 'Steam' erschien, erhielt es viel Lob für die sensible Thematisierung von depressiven Erkrankungen und für seine dichte, berührende Atmosphäre bei absoluter Reduziertheit. Die positive Rezeption ihres Werkes löste aber auch 'Gamer Gate' aus, eine beispiellose und anhaltende Hasskampagne und Verschwörungstheorie mit dem Ziel, Entwicklerinnen und Journalistinnen aus der Gamingszene zu verdrängen. Zoe Quinn steht als eine der Hauptbetroffenen gleichzeitig für einen unaufhaltsamen Trend: Videospiele, seine Zielgruppen und Hauptfiguren werden diverser, Independent-Titel immer wichtiger. Crowdsourcing und Projekte wie "Patreon" ermöglichen immer mehr Indie-Titel und auch ohne Programmierkenntnisse können mit Tools wie "'Twine' oder dem 'RPG-Maker' Spiele von allen für alle gemacht werden."

67. "Valeo Park4U"

Schluss mit riskanten Manövern in der City! Wie der Großteil aller Alltagsaktivitäten wird sich künftig auch das Einparken völlig unproblematisch mit dem Smartphone regeln lassen. Die Firma "Valeo" hat ein System entwickelt, mit dem der Besitzer sein Auto per iOS/Android App in eine Parklücke navigieren kann: Den Park4u. Und nein, es handelt sich nicht um Magie – sondern um 100% Technik.

68. "Random Darknet Shopper"

Auf dem Darnet tummeln sich alle, die sich einer Überwachung entziehen und keine Spuren hinterlassen wollen, aus welchen Gründen auch immer. Zwei Schweizer Künstler haben das Darknet erkundet und Ungewöhnliches zu Tage gebracht: 10 Extasy-Pillen, Feuerwehschlüssel und eine Kreditkarte. Das sind nur einige der Schätze, die die "Random Darknet Shopper" mit einem Budget von 100 Dollar in Bitcoins, der Währung mit der auf diesem digitalen Schwarzmarkt bezahlt wird, erworben haben. "Uns hat interessiert, wie in diesen Netzwerken Vertrauen funktioniert", sagen Domago Smoljo und Carmen Weisskopf. Im Darknet würde zwar viel mit illegalen Substanzen und Produkten gehandelt, erklären die Künstler  - gleichzeitig seien die Netzwerke aber auch die letzten Garanten für Privatsphäre. Eine Auswahl des illegalen Teils jedenfalls, wird derzeit in der Kunst Halle Sankt Gallen ausgestellt. Hier geht es zur ARTE-Info-Reportage.

79. "Hdmyboy"

Pimp your gameboy! Für alle Kinder der 80er wird ein Traum wahr. Die zwei Neuseeländer Zane Amiralis und Joshua de Haan haben den "hdymyboy" entwickelt, ein Gadget mit dem sich ein HD-Screen einfach an einen alten Gameboy anschließen lässt. Anstatt das Bild zu strecken oder schwarze Ränder zu generieren, zeichnet der "hdmyboy" alle Bilder neu. Das Ergebnis: 1080p-Qualität. Um den Prototypen seriell produzieren zu können, sammelt das Duo zurzeit Geld auf Kickstarter. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für Mario und Luigi!

70. "I know where your cat lives"

Rund eine Million Fotos sind es derzeit, die mit dem Tag "cat" im Netz kursieren. Und jeden Tag kommen neue dazu. "I Know Where Your Cat Lives" ist ein Big-Data-Experiment, in dem diese Katzen lokalisiert und auf einer gigantischen Map in Szene gesetzt werden. Das Projekt soll den Usern eine Ahnung von der unglaublichen Datenmenge im Internet geben – und zeigen, wie leicht sich Unternehmen unserer privaten Daten bedienen können.

Weitere Ideen: 
Die Ideen des Jahres 1-10: Kaffee-Kraftstoff, Edward Snowden und ein twitternder Dachs
Die Idee des Jahres 11-20: Solarleuchten, Mini-Drohnen und Entscheidungsfindung per Crowdsourcing
Die Ideen des Jahres 20-30: Roboter für Kinder, Anthropozän und ein psychatrisches Softwarediagnosegerät
Die Idee des Jahres 30-40: Futuristisches Eis, Plastikflaschen-Insel und Musik-Tattoos
Die Idee des Jahres 40-50: Duftende SMS, Fahrrad im Handtaschenformat und schwebendes Skateboard
Die Idee des Jahres 50-60: Radarweste, 3D-Stift und smarter Mülleimer

Credits:
Video-Produktion: Martin Dunkelmann, Musik: https://soundcloud.com/akia. In Kooperation mit: ZEIT Online