Katja Lucker, Christian Morin und Martin Hossbach bei der Pop-Kultur in Berlin

Pop-Kultur Festival - Interview mit Festivalleiterin Katja Lucker

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ARTE Creative

Gemeinsam mit den beiden Kuratoren Martin Hossbach (r.) und Christian Morin ist die Musicboard Berlin GmbH Veranstalterin der "Pop-Kultur". Deren Chefin Katja Lucker spricht im Interview mit ARTE-Redakteurin Angelika Schindler über die Konzeption des Festivals: 

"It began in Berlin" ist das Motto Ihres neuen Festivals…

Wenn Sie sich unsere Trailer anschauen, die auch mit diesem Motto spielen, dann sehen Sie, dass das Ganze ironisch gemeint ist. Heavy Metal begann natürlich nicht in Berlin! Aber es ist auch ein Funken Wahrheit dabei: Im Berghain wird es Uraufführungen geben und Künstler werden zusammenarbeiten, die bisher noch nie etwas miteinander zu tun hatten. 

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Owen Pallett. Foto von Peter Juhl

Owen Pallett beispielweise zeigt etwas zusammen mit André de Ridder, was man vorher noch nicht so gesehen hat. Wir haben bewusst viele Unbekannte gebucht.

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Das Berghain. Foto von Frederik Schulz

Und wir sind die ersten, die das ganze Berghain Gelände bespielen. Das Berghain ist ja einer der spannendsten Orte, wenn es um das Erleben von Musik geht: Weltweit bekannt, Sehnsuchtsort, mit einem sehr feinen Musikprogramm über das ganze Jahr.

Was ist anders als bei Ihrem Vorgänger, der Berlin Music Week?

Es gibt z.B. keine Panel zu Themen, die man schon hundert Mal gehört hat. Verwertungsketten und Lobbies interessieren uns nicht so sehr. Bei uns haben die Künstler das Wort. Wir stellen sie in den Vordergrund und fragen deshalb, was bedeutet es im Jahr 2015, ein Künstler zu sein, wovon leben Musiker heutzutage, wenn über Streamingdienste alles umsonst zu haben ist. Deshalb diskutiert Bundesjustizminister Heiko Maas bei uns mit. Oder wir lassen den Neurobiologen Dr. Tom Fritz mit dem Maler Norbert Bisky über die Wirkung von Techno auf das menschliche Hirn sprechen: wir bringen Menschen zusammen, die sonst nicht unbedingt aufeinanderstoßen. Das Festival bietet auch ein Programm für den "Pop-Kultur-Nachwuchs", für das man sich im Vorfeld bewerben musste.

Wie wurde das angenommen?

Es ist wirklich toll, dass sich 400 Menschen beworben haben: junge Musiker, DJ’s, Produzenten, Label-, Club und Festivalmacher, Journalisten und Blogger. 150 haben wir ausgewählt.

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Matthew Herbert. Foto von Caroline

Sie kommen jetzt in den Genuss von Workshops, bei denen z.B. der Produzent Matthew Herbert oder Anwälte, Labelbetreiber etc. ein praxisnahes Bild vom Arbeiten im Popmusik-Business vermitteln. Hier kooperieren wir mit dem Goethe Institut. Etwas abgeschaut haben wir das Ganze bei der Berlinale, bzw. bei den Berlinale Talents. Das möchte ich auf jeden Fall in den nächsten Jahren weiter ausbauen. Ich denke, dass wir damit ein ziemlich großes Alleinstellungsmerkmal besitzen.

In ihrem Logo werden Pop und Kultur im Schriftzug getrennt und das Wort Kultur erhält durch den Sütterlinähnlichen Schrifttyp etwas Antiquiertes. Warum?

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Das ist der lustige britische Humor unseres Art-Director Scott King, der aus London kommt. Wir haben am Anfang lange überlegt, wie das Festival heißen soll. Für uns war klar: es geht um Popkultur, also auch um Film und Malerei und Autoren. In Deutschland werden immer noch Oper und Theater sehr stark gefördert, der Popmusikbereich traditionell jedoch kaum. Letztlich ist der Titel als ironisches Spiel zu verstehen mit der Betonung auf: Pop ist Kultur.

Was ist denn der abgefahrenste Programmpunkt, den man bei ihrem Festival erleben kann?

Die Show der Band Ho99o9 aus Brooklyn wird sicherlich sehr, sehr speziell. Das ist Postpunk-HipHop, ziemlich heftig. Im Talk-Bereich freue ich mich tatsächlich am meisten auf den Neurobiologen, weil das ein persönliches Steckenpferd von mir ist. Und ich bin gespannt auf Sebastian Schipper - den Film Victoria fand ich großartig - und auf seine Gäste, die ungewöhnlich und gegen den Strich gebürstet sein werden. 

Links
Musicboard Berlin
Berghain
Scott King

Festival
Pop-Kultur
vom 26. bis zum 28. August 2015
im Berghain - Berlin

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