5MINUTES: "splash! Creative Camp" (2014)

Streetart, Graffiti-Workshops, Fake Tattoos: Das SPLASH! Creative Camp 2014

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ARTE Creative

Das Creative Camp feierte dieses Jahr seine Premiere auf dem SPLASH! Festival. Jeder Besucher konnte seiner Kreativität in Workshops und Werkstätten freien Lauf lassen und so das Gelände selbst mitgestalten. Zudem bespielten die anwesenden Streetart-Künstler das gesamte Gelände mit Installationen, Skulpturen und Malereien. ARTE Creative war vor Ort und hat sich unter die kreative Festivalgemeinde gemischt!

Es ist das zweite Juliwochenende 2014 und das über die Landesgrenzen hinaus bekannte SPLASH! Festival findet nunmehr zum 17. Mal statt. Seit einigen Jahren hat das, am Chemnitzer Stausee Oberrabenstein ins Leben gerufene Hip-Hop-Großevent in Ferropolis bei Gräfenhainichen seine Heimat. Umgeben von den alten Baggern und Förderbrücken des in der Region ehemals ansässigen Braunkohletagebaus feiern die Anhänger der Szene eine riesige Party, Fußball-WM-Finale inklusive. Außer den vier Bühnen und diversen Chillout-Areas gibt es dieses Jahr auch erstmals die Möglichkeit, das SPLASH! Creative Camp zu besuchen. Um ein kleines Beach Soccer Feld, auf dem anlässlich der laufenden Fußball-WM ein Mini-Turnier ausgetragen wird, gruppieren sich diverse Stände mit allem, was das Herz der Hip-Hop-Jugend höher schlagen lässt: Ghettoblaster, Baseball Caps, T-Shirts, Vinylschallplatten - und mittendrin auch viele Angebote zur kreativen Betätigung.

Das Hamburger Künstlerkollektiv WE RUN THIS betreibt z.B. ein "Fake Tat Studio", wo sich jeder, der Spaß dran hat, ein selbstgewähltes temporäres Tattoo-Motiv auf den Körperteil seiner Wahl aufbringen lassen kann. Nebenan kann man sich seine eigene Kopfbedeckung gestalten: es liegen faltbare Basecaps aus Pappkarton und eine Menge Farbstifte bereit. Das Angebot wird rege genutzt.

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Noch ein Zelt weiter versuchen sich Neulinge und Anfänger an ihren ersten Graffiti. Sie haben sich bereits vor Festivalbeginn für den Workshop angemeldet. Am späten Nachmittag sitzen die etwa 10 Teilnehmer zusammen und jeder gestaltet unter fachkundiger Anleitung eine kleine „Leinwand“. Workshop-Leiter Lars aus Leipzig ist 32 Jahre alt, im „echten Leben“ Kunst- und Sportlehrer und hat sichtlich Spaß daran, den Leuten ein wenig das eigene Gestalten eines Graffito nahezubringen. Lars gehört zur „Burning Saxony Crew“, einem sachsenweiten Verbund mehrerer lokaler Graffiti-Crews, der schon seit über 10 Jahren besteht. Auch an seiner Schule in Markranstädt leitet er regelmäßig kleine Graffiti-Workshops für die Schüler. Aktuell finden zudem Workshops im Industriemuseum Chemnitz statt, wo noch bis zum 26.Oktober 2014 die Ausstellung „Spray – Eine Dose macht Druck“ zu sehen ist.

Hier auf dem SPLASH! geht’s in erster Linie darum, den Workshop-Teilnehmern den Spaß am eigenen Gestalten zu vermitteln und ihnen ein paar grundlegende Schritte und Kniffe beizubringen. Los geht’s mit dem „Sketchen“, bei dem zunächst mit dem Bleistift skizzenhaft das Motiv erarbeitet wird. Einer wählt den Schriftzug „Splash“, ein Mädchen den Namen ihrer Nichte, wieder andere einen Hip-Hop Songtitel oder ihren eigenen „Künstlernamen“. Beim Gestalten der Buchstaben hat jeder weitmöglichste künstlerische Freiheit, Lars hilft ein wenig und gibt Anregungen zur Linienführung. Das fertige schwarz/weiß-Motiv wird dann vom Skizzenblatt auf die Leinwand übertragen, in diesem Fall eine weiße Hartfaserplatte in DIN-A4 oder DIN-A3-Format. Im nächsten Schritt lassen die jungen Kreativen den Hintergrund, den „Background“, ihres Bildes entstehen. Dies geschieht mit Sprühfarben aus der Dose. Verschiedene Caps dienen entweder zum flächigen Sprühen oder zum Ziehen feiner Linien.

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Ist der Hintergrund farbig, wird nun der eigentliche Schriftzug, der „Style“, aufgebracht. Bei den kleinen Formaten geschieht dies mit Lackmalstiften (Acryl Markern) und nicht mit der Spraydose. Zunächst werden die Buchstaben vollflächig ausgemalt, danach werden sie mit einer anderen Farbe umrandet. Es folgt der wohl spannendste Teil, das Einbringen von Effekten und Details. Die Buchstaben erhalten z.B. einen Schatten, sodass sie räumlich wirken. Außerdem werden Farbabstufungen („Stripes“) hineingemalt, Glanzpunkte gesetzt und sogenannte „Bubbles“ hinzugefügt.

Fast jeder der Teilnehmer ist über sein eigenes Werk erstaunt und freudig überrascht, wie gut es am Ende gelungen ist. Während des Workshops kommen ständig interessierte Festivalbesucher vorbei und wollen mitmachen. Da der Platz aber begrenzt ist, muss Lars sie auf den nächsten Tag vertrösten, die Plätze sind begehrt. Am Ende des zweiten Workshop-Tages werden die besten Bilder ausgesucht und die Gewinner dürfen ihr Motiv großformatig an eine Außenwand des Camps zu sprühen.

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Auf die Beine gestellt wurde das SPLASH! Creative Camp vom Team HALLENKUNST aus Chemnitz. Kurator René ist auch vor Ort und sichtlich stolz auf die vielen Besucher. Noch wichtiger für ihn sind aber die rund 30 angereisten Streetart- und Graffiti-Künstler. Denn im Creative Camp können nicht nur Laien was dazu lernen, es sind auch echte Profis am Werk. Sie gestalten eigene großformatigere Leinwände und einige Außenwände des Camps. Mit dabei sind u.a. die Künstler von der Klebebande Berlin, Case von der Ma´Claim Crew, Hendrik 'ecb' Beikirch, das Kollektiv Quintessenz, Mr. Ugly Tats, Burning Saxony, DER 6te LACHS aus Hamburg, Antistatik und sein Kollektiv Orbit119 aus Frankreich.

Man könnte das Camp als das kreative Herzstück des SPLASH! Festivals bezeichnen: neben den Werkstätten im Camp bespielen die Streetart- und Graffiti-Künstler von hier aus das komplette Festivalgelände mit kleiner und großer Kunst. Es werden Installationen, Skulpturen und Malereien in das Festivalgeschehen eingebettet. Für alle Festivalbesucher, die neben der Musik gern etwas mehr erleben wollen, als Bier und Bratwurst zu konsumieren, ist das Creative Camp eine willkommene Bereicherung. Und viele von ihnen kommen sicher nicht zuletzt deshalb auch nächstes Jahr wieder zum SPLASH! Festival nach Ferropolis - der Stadt aus Eisen.

Text: Markus Ankenbrand

Eine Red Tower Films Produktion in Zusammenarbeit mit ARTE Creative

Links: 
ilovegraffiti.de
splash! Creative Camp
splash! Festival 2014 auf ARTE Concert

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