Tricks 1 Sweet Harmony

"Wir jagen die Bausteine der Popmusik durch den Nacktscanner": TRICKS #1 über die süße Harmonie

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ARTE Creative

TRICKS ist die neue Musikshow der Allround-Kreativen Tracky Birthday und Hasi International™: Alles was sie noch nie über Pop wissen wollten - und vieles mehr! Zum Start der ersten Folge "Sweet Harmony" haben wir uns mit Tracky Birthday über falsche Musik in der Schwangerschaft, die intime Beziehung zu seinem Assistenten Hasi und Bananen unterhalten.

ARTE Creative: Wofür braucht die Welt „TRICKS“?

Tracky Birthday: Die Welt braucht TRICKS nicht. Es gibt bessere Sachen im Internet, das sollte einen aber nie davon abhalten etwas trotzdem zu produzieren. Ich würde TRICKS als eine „Suche nach dem universellen Schlüssel zur Musik“ bezeichnen. Die Türe befindet sich übrigens in Treptow.  

Was macht ihr genau bei TRICKS?

Wir jagen die Bausteine der populären Musik durch den Nacktscanner und stellen das Ergebnis ins Netz.

Wie stehst du zu musikalischer Früherziehung?

Erziehung? Ich bin grundsätzlich gegen Erziehung, vor allem gegen musikalische. Musik lebt doch ein Stück weit von Rebellion. Das ist das Gegenteil von Erziehung. Aber natürlich sollte man Kindern Musik näherbringen. Meine Frau hat während ihrer ersten Schwangerschaft sehr laut, sehr oft Rockmusik gehört und mein Sohn steht tatsächlich total auf Rock. Das heißt, nicht die falsche Musik während der Schwangerschaft hören, Mädels, das kann schlimme Folgen haben!

Wie viele Instrumente kannst du selbst spielen?

Ich kann kein einziges Instrument spielen. Ich tu einfach so als ob ich es könnte und keiner merkt, dass ich es nicht kann. Ich hatte mal Klavierunterricht, aber das habe ich abgebrochen, weil der Lehrer nach zwei Jahren gemerkt hat, dass ich keine Noten lesen kann und das alles nur aus dem Gedächtnis nachgespielt habe. Schlagzeugunterricht hatte ich auch, aber da habe ich auch nie geübt.

Und wieso machst dann ausgerechnet du „TRICKS“?

Darum geht's ja. Man muss nix können, deshalb ist ja auch Hasi mit dabei!

Ist die Beziehung zu deinem Assistenten Hasi International™ sehr intim?

Die ist sehr intim, ja! Wir sind beide in der Babyklappe gefunden worden und uns wollte bis wir in die Pubertät kamen niemand adoptieren. Das schweißt zusammen! Wegen so einer Geschichte mit Zahnbürsten und radioaktiver Verstrahlung jedenfalls sind wir mit 15 aus dem Waisenhaus rausgeschmissen worden und lebten fortan in so einer Schrebergartenkolonie am Rand von Ludwigshafen. Ich hab dann bei einer italienischen Castingshow mitgemacht und so meine Frau kennengelernt, Hasi ist nach Florida ausgewandert. Aber in Kontakt waren wir immer. Es geht nicht mit, es geht nicht ohne. Der Klassiker.

Was hat es mit dem Toiletteneimer im Studio auf sich?

Wir haben TRICKS in Hasis Hobbykeller gedreht, tief im Inneren eines geheimen Nazibunkers in Berlin, wo sich auch das Bernsteinzimmer befindet. Hasi arbeitet da als Hausmeister und hat es sich nebenan in diesem kleinen Keller gemütlich gemacht. Wenn meine Frau denkt ich bin auf Geschäftsreise, bin ich die Hälfte der Zeit dort und hänge ab. Das lüftet den Kopf und meine Goldmullzucht hab ich auch da. Um die Frage zu beantworten, das Problem ist, dass die Toilette so weit entfernt ist, und das Bernsteinklo darf man nicht benutzen! Hasi war beim Dreh immer sehr nervös und musste ständig. Und dann haben wir ihm irgendwann einfach einen Eimer hingestellt, weil wir keine Lust mehr hatten zu warten, bis er von der Toilette wieder da ist.

Du bist Mitgründer das Netlabels „UpitUp“. Warum verteilt ihr Musik kostenlos im Internet?

Naja, wir machen die Musik sowieso, das ist unsere Leidenschaft. Vor zehn Jahren haben wir angefangen unsere Musik im Freundeskreis hin- und herzuschicken. Wir haben die Webseite als Plattform genutzt um uns gegenseitig die eigenen Tracks zu zeigen, vorher haben wir CDs hin- und hergeschickt, wie Brieffreunde. Und der Freundeskreis ist eben über die Jahre gewachsen. Und natürlich war es auch ein politischer Akt. Als wir die Webseite gestartet haben, war es gerade die Zeit wo Napster und diese großen Peer-to-Peer-Filesharing-Plattformen von den großen Plattenlabels verklagt wurden. Und da war es natürlich ein politisches Statement, die Musik einfach umsonst rauszubringen. Inzwischen ist da ja wirklich was ganz natürliches. Nichts ist natürlicher als ein Stück auf dem Rechner abzuspeichern und direkt hoch zu laden. Das ist quasi schon ein Automatismus! Von daher ist es heutzutage nichts Politisches mehr.

Man sollte also mit Musik kein Geld verdienen?

Doch! Aber die Zeiten haben sich eben geändert. Früher hat man mit Wechselstuben Geld verdient, bevor es den Euro gab. Und jetzt kann man das halt nicht mehr. Aber wenn wir Auftritte machen, dann kriegen wir ja auch Gage. Das ist quasi eine Aufwandsentschädigung, denn das ist ja auch richtiges arbeiten. Aber Musik machen, das kann man nicht als Arbeit bezeichnen. Das ist wie Videospielen mit einem Ergebnis am Ende.

Welchen Popsong hasst du am meisten?

Alles in A-Dur oder aus dem Jahre 1997.

Und wie stehst du zu Bananen?

Bananen sind gelb. Jede Farbe hat so eine bestimmte Konnotation, kulturell gesehen, was man damit verbindet. Gelb steht entweder für süß oder niedlich, im Sinne von Pikatchu, Tweetie, Woodstock von Snoopie, Biene Maja, Masupilami, Spongebob, Bart Simpson, Ronald McDonald, Smiley. Oder es steht für frech und verrückt und witzig und total „gagig“. Man sagt ja auch „Das ist total Banane“. Und auch der Abspann bei TRICKS ist immer gelb. Ich bin einfach total fasziniert von der Farbe und dem was dahinter steckt. Wie war die Frage nochmal?

Was möchtest du den „Tricks“-Zuschauern noch unbedingt mit auf den Weg geben?

Bloß nicht angucken! Man ist hinterher dümmer als vorher.

 

Hier gibt's den Soundtrack zu TRICKS und jede Woche einen neuen Track für euch zum Download!

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TRICKS - Die neue Serie

LINK BATTLE: Postet Links zum Thema als Kommentar und gewinnt!

Alles zum Thema Akkorde, Musik, Harmonie, Hasis Strahlstärke oder was auch immer euch zu der neuen Episode von TRICKS einfällt. Der beste Link gewinnt ein T-Shirt! Hier was wir zum Thema ausgegraben haben:

Der ehemalige Talking Heads-Frontman David Byrne beschreibt in seinem Buch “How Music Works” – äh, naja – wie Musik eben funktioniert. Ziemlich abgefahrenes Zeug, besonders der Shizzle über musica universalis.

Diese Verschwörungstheorie über Ancient Knowledge vertritt den Standpunkt, dass Sound die Basis von allem ist. Mh-hm?

The Cosmic 432 ist noch etwas, das du nie über Musik wusstest (und auch nie wissen wirst).

Falls das alles zu harter Tobak ist: Der „Don’t worry be happy“-Dude Bobby McFerrin demonstriert hier die Kraft der pentatonischen Tonleiter. Einfach genial. Jeder weiß dass auch die Beach Boys wahre Meister der Harmonielehre waren.

Hier noch ein Beispiel eines unhappy-birthday-songs, gesungen vom einzig wahren FC Bayern München. Das beweist, dass auch die Dur-Tonleiter ziemlich traurig klingen kann!

"Those Magic Changes" von Grease widmet sich der 50er-Akkordfolge. Tolle Lyrics: 

C - C - C - C - C - C 
A - A - A - A minor 
F - F - F - F - F - F 
G - G - G - G7

Axis of Awesome (pffffh!) haben ein Mashup über eine weitere beliebte Akkordfolge gemacht. Elf Jahre zuvor kam Stefan Raab auf dieselbe Idee.

Helft uns mehr Songs zu finden in denen die 50s-Progression vorkommt! Hier ist unsere Liste:

Little Anthony and the Imperials - Tears on My Pillow, 1958
Maurice Williams - Stay, 1960
The Cleftones - Heart and Soul, 1961
Bruce Channel - Hey! Baby, 1961
Pat Boone - Speedy Gonzales, 1962
Ben E. King - Stand by Me, 1960
Sean Kingston - Beautiful Girls, 2007
Chubby Checker - Let's Twist Again, 1961
The Kingston Trio - Where Have All The Flowers Gone?, 1961
Bonzo Dog Doo-Dah Band - We Were Wrong, 1995
The Beatles - Real Love, 1996
Led Zeppelin - D'yer Mak'er, 1973
The Marcels - Blue Moon, 1961
Dion and the Belmonts - A Teenager in Love, 1959
Sha Na Na - Those Magic Changes, 1978
Sam Cooke - Wonderful World, 1960
The Everly Brothers - All I Have to Do Is Dream, 1958
The Chords - Sh-Boom, 1954
The Chordettes - Lollipop, 1958
Monty Python - Always Look on the Bright Side of Life, 1991
The Penguins - Earth Angel, 1954
The Beach Boys - Surfer Girl, 1963
The Bangles - Eternal Flame, 1989
The Beatles - Happiness Is a Warm Gun, 1968
Nena - 99 Luftballons, 1982
The Righteous Brothers - Unchained Melody, 1965
Avril Lavigne - Complicated, 2002
Elton John - Crocodile Rock, 1972
The Marvelettes - Please Mr. Postman, 1961
The Beatles - Octopus's Garden, 1969
Wolfgang Ambros - Schifoan, 1976

Was fehlt?

Achja, falls ihr denkt, dass unsere Theorie über Dub ein bisschen weit her geholt ist, habt ihr höchstwahrscheinlich recht. Wir würden jedoch gerne auf die Arbeiten von Maryanne Amacher hinweisen, bei denen eure Ohren selbst anfangen Sound zu produzieren! 

OK das wars, hier noch Sweet Harmony von The Beloved, viel Spass! Dran bleiben bis zur zweiten Folge TRICKS, bei der es um Wiederholung, Loops und Ohrwürmer geht.

 

Tracky & Hasi

P.S.: Heute wieder top Wetter draussen und du hockst hier drin und checkst Links.

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