Atelier A - Melik Ohanian

Atelier A: Melik Ohanian spielt mit den Dimensionen der Zeit

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Atelier A

Anlässlich seiner neuen (doppelten) Ausstellung mit dem Titel Stuttering (Stottern) in der Galerie Chantal Crousel und La Douane (Paris) lädt uns Melik Ohanian dazu ein, die Mikrogeschichten mit der großen Geschichte sowie die geheimen mit den offiziellen Kartografien zu kreuzen. Bei der Vorbereitung seiner Ausstellung spricht er mit uns über seinen Schaffensprozess.

Trotz ihrer teils mysteriösen konzeptuellen Aspekte bergen die Arbeiten von Melik Ohanian eine fast taktile oder zumindest sensible Verbindung zu den Geschichten und Gespenstern, denen sie neues Leben einhauchen. Ob es sich um die erstickten Stimmen des armenischen Genozids handelt oder um die britannischen Arbeiterinnen der Rüstungsindustrie im ersten Weltkrieg – die Gattungen der Skulptur und Installation werden stets zu Gunsten von kritischen Dispositiven verfälscht, die den Betrachter aus einer unschuldigen Perspektive herauslösen und seine Subjektivität involvieren. Von künftigen Kollisionen zwischen der Milchstraße und Andromeda über Muscheln, die in antiken afrikanischen und chinesischen Zivilisationen als Tauschobjekt benutzt wurden bis hin zu botanischen Gärten in Palermo: Melik Ohanian multipliziert die Möglichkeiten, mit Zeit und Raum umzugehen. Er zeigt, dass kein universeller Horizont ohne das Privileg des Besonderen existieren kann, des a priori unbedeutenden Details, das in Wirklichkeit den Lauf der Reise tiefgreifend verändert. Doch seine geografischen Experimente beschränken sich nicht auf einfache symbolische oder phantasierte Darstellungen. Sie sind das Ergebnis einer methodischen Vorgehensweise auf dem Terrain, einer künstlerischen Ethnografie und eines politischen Engagements ohne Doppeldeutigkeiten. Für die 10. Biennale in Schardscha (Vereinigte Arabische Emirate) schuf er eine komplexe Videoinstallation: eine doppelte Kamerafahrt von 42 Minuten bei Tag und bei Nacht durch die Lager von aus Schardscha emigrierten Arbeitern, deren lapidare Wirkungskraft den lokalen Behörden jedoch zu explosiv war, so dass ihm schließlich abgesagt wurde.

Melik Ohanian wurde im Oktober 2015 mit dem Prix Marcel Duchamp ausgezeichnet. Der mit 35.000 Euro dotierte Preis wird jährlich an herausragende französische und in Frankreich lebende Künstler vergeben und gehört zu den wichtigsten Kunstpreisen in Frankreich.

Links:

• Die Webseite von Melik Ohanian
• Video zu der mit dem Marcel Duchamp Preis 2015 ausgezeichneten Einzelausstellung Under Shadows
• Galerie Chantal Crousel
 

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