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Indie-Szene Zürich: Mehr Projekte, mehr Experimente

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ARTE Creative

Unsere zwei Game-Designer Marius Winter und Benedikt Hummel, alias Major Bueno, ziehen mit dem Bus quer durch Europa - auf der Suche nach Inspiration und dem neuen Superspiel. Der erste Halt führte sie nach Zürich, hier haben sie die Designerin Dragica Khalina gertroffen. Und während Major Bueno schon weiter nach Mailand düst, hat uns Maike Thies (Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Studienvertiefung Game-Design) mehr über die unabhängige Game-Szene in der Schweiz erzählt. 

Zürich entwickelt sich immer mehr zum „Hub innovativer Spielschmieden“, meint Jeremy Spillmann vom Studio "Blindflug". Er und sein Team gestalten Spiele, bei denen man sich per Wisch bestimmten Themen annähert. "Wir nehmen spannende, reale Themen als Ausgangslage, um imaginative, schöne und unglaublich spaßige Spiele zu kreieren, die zum Nachdenken anregen können". Gerade arbeiten sie an "Rogallo – Journey of Hope", ein Spiel, welches sich dem Thema der Immigration widmet. "Wir wollten ein Spiel machen, das die unglaublichen Wege erlebbar macht, die Flüchtlinge zurücklegen müssen, um Städte wie Melilla zu erreichen." Dabei inszenieren sie den Inhalt so, dass das Spiel eine bestimmte Distanz zum Thema gewährleistet: "Wir versetzen den Spieler in ein Fantasy-Setting mit Städten über den Wolken, Wolkensammeln und ausgedörrte Wüsten, um unvoreingenommen darüber reden zu können, welche Entbehrungen und Gefahren eine solche Reise mit sich bringt“.

Das Spiel als Bildungsmittel einzusetzen scheint in Zürich weit verbreitet zu sein: "Unsere Spiele sollen einfach Spaß machen und wenn man dabei etwas lernt, umso besser!", sagt auch das Team vom Studio "Koboldgames". Sie arbeiten gegenwärtig an einem Spiel, in dem "Jugendlichen beigebracht wird, in welcher Saison Nahrungsmittel lokal vorhanden oder importiert wurden". Eine gewisse Portion Humor darf dabei nicht fehlen und ist ein Markenzeichen von "Koboldgames". Das beweisen sie beispielsweise mit ihrem Spiel „Journey of a Roach“, bei dem man eine Kakerlake mitten in einer postapokalyptischen Welt spielt. Sie wollten das Thema "mit schwarzen Humor und ultrasüssen Kakerlaken" neu inszenieren.

Auch bei dem Spiel "Identity Crisis" von Martin Egger und Yury Schicker von "ShardLine Entertainment"  dreht sich alles um eine postapokalyptischen Welt. Als Hauptfigur muss man versuchen ein Gegengift zu finden für eine mysteriöse Krankheit, die die letzten Überlebenden der Welt bedroht.

Samuel Vonäsch, Game Design Absolvent der ZHdK, hat sich selbständig gemacht und führt nun sein eigenes Unternehmen "elephantatwork". Zur Zeit arbeitet er an dem lokalen Multiplayerspiel "CMYK", bei dem man mit bis zu vier Personen durch dynamische Levels um die Krone kämpfen muss.

"Plug & Play" ist ein Game-Projekt von Mario von Rickenbach. Das Spiel basiert auf einen Animationskurzfilm von Michael Frei. Das Spiel wurde kürzlich veröffentlicht und ist jetzt auf dem AppStore erhältlich. Zudem wurde es nominiert: International Game Festival 2015 // Nuovo Award Finalist 2015.  

Die sonst für ihren Finanzbereich bekannte Stadt Zürich scheint einen regen Zulauf an innovativen Spieleentwicklern zu erleben. Die positive Tendenz hängt nicht zuletzt auch mit der 2004 gegründeten Studienvertiefung "Game Design" an der Zürcher Hochschule der Künste zusammen. Die Gründung dieser neuen Abteilung verankerte nicht nur das Game-Design als anerkannte Kunstform, sondern fördert direkt auch den Nachwuchs ihrer zukünftigen Protagonisten. Zahlreiche Game-Start Ups fanden ihre Anfänge in den Schulräumen der Kunsthochschule. Noch sind viele dieser Projekte selbsttragend oder finanzieren sich durch Auftragsarbeiten. Der durchschnittliche Kostenpunkt für die Entwicklung eines solchen Spiels beläuft sich auf ungefähr 100.000 Euro. Viele die in diesem Bereich tätig sind, arbeiten nebenbei noch als Dozenten oder machen Auftragsarbeiten. Die noch geringe internationale Sichtbarkeit der Industrie macht es den verschiedenen Studios noch schwierig, ausschließlich vom Game-Design leben zu können.

Spillmann von "Blindflug Studios" gibt sich jedoch optimistisch. Er ist davon überzeigt, dass es in Zukunft ein gutes Feld kleiner Studios gibt, die mit ihrem Know-How die Schweiz attraktiv für Investoren machen. Egger und Schicker von "Shardline Entertainment" glauben sogar, dass Zürich das Potential einer Game-Stadt hat. Samuel Vonäsch von "Elephantwork" prognostizier für Zürich noch drei bis vier Jahre, bevor man es als Gamestadt bezeichnen könne. Rickenbach von "Playables" erwartet "mehr & bessere Leute, mehr & bessere Projekte, mehr Experimente und eine Mischung aus kleinen und großen Projekten".

Auf ARTE Creative:

Tour Bueno in Zürich

Zürcher Hochschule der Künste Game Design:

• Projekte der Studenten der Vertiefung Game Design

Links:

ShardLine Entertainment
Elephantatwork
Playables
Koboldgames
Blindflug Studios
Game Design an der Zürcher Hochschule der Künste

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