Tour Bueno

Tour Bueno: Eine Reise durch die europäische Indie-Spieleszene

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ARTE Creative

Die beiden Game-Designer Marius Winter und Benedikt Hummel reisen in Kooperation mit ARTE Creative zwei Monate lang durch Europa, besuchen dort die kreativsten Indie-Game-Studios und entwickeln innerhalb 48 Stunden je ein neues Spiel.

Zu Beginn eines guten Spiels steht immer eine gute Idee. Doch gerade das Finden dieser einen Idee ist der schwierigste Teil der Spieleproduktion. Besonders die Indie-Game-Szene ist ein Sammelbecken voller kreativer Köpfe, welche immer wieder mit neuen Ideen aufwarten und so die gesamte Spielebranche beeinflussen. Das Projekt entsteht als Diplomprojekt des Studiengangs Interaktive Medien an der Filmakademie Baden-Württemberg in Kooperation mit ARTE Creative.

Wir haben kurz vor Abreise noch einmal mit dem Duo gesprochen.

ARTE Creative: Wer oder was ist der Endboss der TourBueno?

Marius Winter: Der Endboss wird sich während der Tour entwickeln. Er ist wie ein Schweinehund, den wir überwinden müssen.

Benedikt Hummel: Man muss dazu sagen, dass wir auf unserer Reise elf Spiele kreieren und am Ende ziemlich fertig sein werden – und dann wahrscheinlich keine Lust mehr haben jemals noch einmal ein Spiel zu machen. Dieser Zustand wird dann ungefähr zwei bis drei Wochen andauern. Dann wird die Motivation hoffentlich wiederkommen.

Marius: Der Endboss, also das letzte Level, die allerletzte Station, die muss ganz entspannt sein. Deshalb gehen wir dann auch mit Ed Key aus Cambria wandern, um tief durchatmen zu können.

Wer ist "Major Bueno"?

MW: Am Anfang haben wir uns als Marius Winter und Benedikt Hummel präsentiert. Das fanden wir bald sehr langweilig – wir brauchten einen neuen Namen. Bevor wir „Drop the Beat“ veröffentlicht haben, haben wir uns schnell einen Namen ausgedacht. So kam es zu "Major Bueno", einem Mix unserer beiden Namen.

ARTE Creative: Welches Spiel hat euch so begeistert, dass ihr Gamedesigner geworden seid?

MW: Bei mir war das definitiv "Monkey Island" auf dem Atari. Mein Vater hat es mir damals zu Weihnachten geschenkt. Es ist ein Adventure-Game, bei der man einen Piraten spielt. Grafik und Animation haben mich einfach umgehauen, dieses Spiel hat bei mir eine Art Kettenreaktion ausgelöst – und ich habe beschlossen, Gamedesigner und Animator zu werden.

BH: Ich war früher in einer Community im Internet aktiv, die als "New Ground" bezeichnet wird. Dort geht es darum, dass Leute Filme und Spiele für den Flash-Player kreieren. Das hat mich so fasziniert, dass ich das dann auch unbedingt machen wollte. So habe ich angefangen, Spiele für Flash-Player zu machen.

Wie seid ihr auf die Idee der "Tour Bueno" gekommen?

MW: Im Jahr 2013 haben wir jeden Monat ein Spiel entwickelt. Unser letztes Projekt hieß "Party Bueno". Dort konnte jeder eine Figur auf unseren Server hochladen und diese Figur tauchte dann im Spiel auf. "Party Bueno" haben wir vor Publikum entwickelt, bei einer Spieleraustellung in Kassel in Deutschland. Wir wurden dann drei Tage lang an der Bar der Ausstellung platziert, mit unseren Laptops, Bier, Musik und den ganzen Leuten die uns zuschauten. Das war eine so tolle Energie und wir waren traurig, als wir wieder zurückkehren mussten in unser langweiliges, einsames Büro. Danach ist die Idee entstanden, herumzureisen und dabei ein Spiel zu entwickeln. Das war der zündende Gedanke zur „Tour Bueno“.

Nach welchen Kriterien habt ihr die Gamedesigner der jeweiligen Länder ausgesucht?

BH: Wir haben uns erst überlegt: Welche Indie-Gamer gibt es in Europa und welche finden wir spannend? So haben wir unsere Route gewählt. Alle zu besuchen wäre leider nicht möglich.

MW: Wir haben die Leute online kontaktiert und sie gefragt, wer Zeit hat und wer verrückt genug dafür ist. Ein anderes Kriterium war auch die Unterschiedlichkeit der Indie-Gamer.

Was macht ein gutes Indie Game aus?

BH: Es ist eine Art Leidenschaft. Eine Idee, die aus dem Herzen kommt.

MW: Das ist umstritten, aber ja, für uns ist es ganz klar die Leidenschaft, die das Projekt antreibt.

Wie sieht der Alltag eines Game Designers aus?

MW: Wir sitzen sehr viel vor dem Computer. Spaß beiseite. Es gibt verschiedene Phasen. Wenn wir beschließen, ein Spiel zu entwerfen, gehen wir erst mal einen Kaffee trinken oder spazieren. Wenn uns dann nichts einfällt, wiederholen wir den Prozess, bis uns eine gute Idee kommt. Manchmal haben wir auch schon mehrere Ideen im Kopf, die wir dann nur noch verbinden. Ein anderes Mal bleiben wir komplett ideenlos. Dann machen wir Pfannkuchen – und plötzlich fällt uns etwas ein. So war es beispielsweise bei unserem Spiel "Pan Man". Wenn die Idee da ist, sitzen wir erst mal mehrere Tage vor dem Computer. Benedikt programmiert und ich kümmere mich um die Grafik. Am Ende veröffentlichen wir das Ganze.

Gibt es ein Leben nach der Tour?

MW: Ja. Wir wollen ein paar Spiele von unserem "One game a month" nochmals bearbeiten und aus ihnen etwas Gröβeres machen. Dann möchten wir uns ein kleines Studio aufbauen und weitere Spiele machen. Was sonst.

Das Interview führte Etienne Viriot, Victoria Kopp & Emma Darsu.

Link
• Die Website zum Projekt

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