Homemade Tattoos

Homemade Tattoos: DIY-Tätowierungen als subversive Kunst

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ARTE Creative

Regisseur Marc-Aurèle Vecchione nimmt die Ausstrahlung des Dokumentarfilms "Tattoo Total!" am 29. November 2014 auf ARTE zum Anlass, seine Recherche weiterzuführen: In "Homemade Tattoos" verlässt er die Studios, um am Ufer der Seine einer Tattoo-Sitzung mit einer selbstgefertigten Tätowiermaschine beizuwohnen.

Das "Homemade Tattoos" ist eine nicht ganz ernst gemeinte Rückkehr zu den Ursprüngen, nachdem die allgemeine Verbreitung der Tattoos und die Vermehrung der klinisch sauberen Studios aus dem Tätowieren, das lange Zeit ein Wahrzeichen der Abenteurer und Randgruppen war, ein reichlich steriles Handwerk gemacht haben. Das "Selbstgemachte" war lange Zeit das Markenzeichen des Tätowierens, der einzige Weg, es zu praktizieren, zu jenen Zeiten, als man die Tätowierung noch im Verborgenen in die Haut stach, auf der Brücke der Dreimaster, die über die Meere segelten, oder in der Gefängniszelle. Es war damals eine subversive Kunst, mit der die Matrosen und Ganoven aus Gruppenzwang, Angeberei, Schwermut oder Protest ihre Körper zierten. Es war die Zeit, in der man drei Nadeln benutzte, die mit einem Faden verbunden waren. In Paris ließen sich die bösen Buben von wandernden Tätowierern mit ihren Dreizacken behandeln, wie dem Père Rémy, der am Quai de la Villette saß, Médéric Chanut, der in den Hinterzimmern der Kneipen im Quartier de la Roquette seine Amtes waltete oder auch dem Père Zéphyrin, der die Haut mit Spucke reinigte, wenn er keinen Schnaps mehr hatte.

Das Tätowieren im Untergrund ist in der Tat mit gesundheitlichen Risiken verbunden, und die Alten erinnern sich noch an böse Fieberattacken oder bestenfalls suspekten Juckreiz. Wer sich nach den Empfindungen von damals sehnt, muss auch mit den eventuellen Unannehmlichkeiten Vorlieb nehmen… Mit der Erfindung der elektrischen Tätowiermaschine Ende des 19. Jahrhunderts vermehrten sich die Studios in den Hafenstädten – das erste wurde 1849 in den USA eröffnet –  und ganz allmählich wurde das Tätowieren zu einem ganz gewöhnlichen Gewerbe. Im Laufe der Jahrzehnte verließen die Läden den Untergrund und besetzten immer hellere Räumlichkeiten in den Städten und auf dem Land. Heute ist das Tätowieren so gewöhnlich wie nie und für alle machbar. Es ist fast banal geworden, es hat seinen Symbolwert eingebüßt und ist zu einem bloßen "Produkt" der Konsumgesellschaft mutiert. Das Homemade wird sicher den Zauber der Anfänge nicht zurückholen können, vielleicht kann es jedoch dem Tätowieren wieder eine Seele verleihen, indem es sich als ein intensives und sehr persönliches Erlebnis ins Gedächtnis einprägt. Jérôme Pierrat

Jérôme Pierrat ist Schriftsteller und Journalist, er hat mit Marc-Aurèle Vecchione die Dokumentation "Tattoo Total" gedreht und  zusammen mit Eric Guillon das Buch  "Les Hommes illustrés: le tatouage des origines à nos jours" im Jahr 2000 geschrieben, sowie 2004 "Les Vrais, les Durs, les Tatoués : le tatouage à Biribi".

Auf ARTE
• "Tattoo total !"
Eine Dokumentation von Jérôme Pierrat und Marc-Aurèle Vecchione
Samstag, 29. November 2014 um 21:45 Uhr

Link
Linkliste und Infos im Dossier auf arte.tv

Ausstellung
• "Tatoueurs, tatoués"
bis zum 18. Oktober 2015
im Musée du Quai Branly - Paris
Diese Ausstellung wurde von Anne & Julien des französischen Magazins "Hey!" konzipiert.

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