Kryptobotschaften im Fernsehen: ITAF 2015

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ARTE Creative
The International Teletext Art Festival ITAF2015

Die in Wien basierte Künstlerin Karin Ferrari verwendet visuelles Material aus der Popkultur, um versteckte Botschaften am Rande des Fantastischen aufzudecken. In ihrer Serie "Decoding (The Whole Truth)", zum Beispiel, decodiert sie willkürlich scheinende Symbole, um die Paranoia unserer zeitgenössischen Gesellschaft zu etnhüllen. Dieses Jahr nimmt sie am International Teletext Art Festival ITAF teil, um ihre Kryptobotschaften im Teletext zu verbreiten.  

"The road begins from here. Teletext is the future." Artist Janne Suni, Mai 2012
"Wir stehen am Anfang des Weges. Teletext ist die Zukunft." Janne Suni, Mai 2012

Das International Teletext Art Festival ITAF findet dieses Jahr vom 13. August bis 13. September statt. Es wurde 2012 von der finnischen Künstlerkooperative FixC aus Helsinki mit der Idee ins Leben gerufen, die gestalterischen Möglichkeiten des Teletexts als kreatives Medium auszunutzen. Jedes Jahr lade sie Künstlerinnen und Künstler ein, Kunstwerke im Teletextformat zu erschaffen und öffentlich im Fernsehen zu verbreiten. Die Werke der 15 Teilnehmer dieses Jahr werden im ARD Teletext, ORF Teletext, ORF III Teletext, SWISS Teletext und ARTE Teletext zu sehen sein – also ran an die Fernbedienung! 

Durch das International Teletext Art Festival ist in den letzten paar Jahren eine breitere Öffentlichkeit auf Teletext-Kunst aufmerksam geworden: Die seit 2012 im Rahmen des Festivals ausgestellten Arbeiten haben mittlerweile mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Österreich und Finnland gesehen. Es gab aber auch schon vorher Versuche, Teletext als künstlerisches Medium zu etablieren. Edwin van der Heide hat zum Beispiel 2000 ein Teletext-Kunst-Projekt im niederländischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen gestartet, oder das ambitionierte Microtel-Projekt von Lektrolab, das 2006 in Zusammenarbeit mit dem Witte de With Center for Contemporary Art auf dem International Rotterdam Film Festival präsentiert wurde.

Um Kunst im Teletext zu veröffentlichen, braucht man allerdings bestimmte technische Fachkenntnisse. Seit der Übertragung der ersten Testseite im Jahr 1973, erfunden von Technikern des BBC, hat sich die Technologie nämlich nicht wesentlich verändert. Eine Teletext-Seite besteht aus 24 Zeilen und 40 Spalten. Dieses Raster gibt die Anzahl der Pixel vor, und außer schwarz und weiß gibt es nur sechs Farben. Um die Grafik-, Text- oder Hintergrundfarbe zu ändern oder ein Blinken einzufügen, muss jeweils ein Steuerzeichen gesetzt werden; weil dadurch eine Position im Raster besetzt wird, erscheint das Pixel an der entsprechenden Stelle schwarz. 

Teletext ist also ein sehr einfaches und ökonomisches System zur Übermittlung von Informationen, und auch wenn es vom BBC inzwischen eingestellt wurde, wird es in vielen Ländern noch immer täglich von Millionen Menschen genutzt. Es sind gerade die begrenzten technischen Möglichkeiten des Mediums, die es für Künstler wie Karin Ferrari so interessant machen.

Durch den Teletext erreicht ITAF Millionen von Menschen zu Hause – es ist also eines der größten Kunst- und Medienevents weltweit. Das Motto lautet daher dieses Jahr "Bleib zu Hause – Stay home!" und genieße die Kunst vom Sofa aus. Zuschauer und Kunstliebhaber sind sogar dazu eingeladen, die Kunstwerke auf ihrem Fernseher zu fotografieren und an stayhome@teletextart.com einzusenden. Also macht es euch gemütlich und schaltet ab dem 13. August in den ARTE Teletext, vielleicht mit ein paar Snacks und Freunden dazu, um beim ITAF 2015 dabei zu sein. 

Links:

International Teletext Art Festival 
Karin Ferrari Webseite
Karin Ferrari "Decoding (The Whole Truth)"    
Juha Van Ingen
Collective FixC
MUTA, Museum of Teletext Art
ITAF 2014 auf ARTE Creative

Ausstellungen:

• Die Kunstwerke des ITAF auf dem Ars Electronica Festival "Post City"
Vom 3. Bis 7. September 2015
Linz 

"Mehr als Worte - Zeichen. Symbole. Sinnbilder"
Eine Ausstellung von Karin Ferrari
Vom 24. April bis 8. November 2015
Tiroler Volkskunstmuseum Innsbruck

 

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