A MAZE Festival oder: Was sind eigentlich Indie-Games?

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ARTE Creative

Das Festival A MAZE ist eine Plattform für Independent Games und findet einmal im Jahr in Berlin statt - zuletzt vom 22. bis zum 25. April 2015. Emma Guerchon hat sich dort umgesehen. Hier ihre Eindrücke in Text und Bild! 

"This word is for all people, strange, wonderful, bizarre people, making everywhere... let's see so much cool, strange, bizarre games everywhere !" ("Ich wende mich an alle Gamer, all diese seltsamen, wundervollen, abgefahrenen Leute, die überall am Machen sind... Lasst uns überall so viele coole, seltsame, abgefahrene Spiele sehen!") Mit diesen Worten schloss Dreamfeel ihre Dankesrede nach der Verleihung des "Most Amazing Game Award" für ihr engagiertes Videospiel Curtain.

Ich finde, das bringt die 3 Tage, die ich auf dem internationalen Gamesfest A MAZE zugebracht habe, bestens auf den Punkt. Nachdem ich bereits mit einem Bein im Gamer-Milieu stehe, beschließe ich, ein bisschen nachzuhelfen und den Sprung vollends zu wagen. Anders gesagt: Ein Hin- und Rückfahrticket nach Berlin zu lösen und eines der populärsten Events in der Welt der Indie Video Games zu besuchen. Eine heilsame Erfahrung für alle, die digitale Spiele immer noch mit introvertierten, weltfremden Geeks assoziieren... A MAZE ist Ausdruck eines wahren Kreativ-Feuerwerks und gibt Einblick in einen Kosmos mit Tausenden von Galaxien... 

Die Veranstaltung verteilt sich über mehrere Locations, die zu den Hotspots der Underground-Szene gehören, den RAW-Tempel, Urban Spree und den Club Neue Heimat. Mein erster Gang übers Festivalgelände lässt mich eintauchen in ein Volksfestambiente: Bunte Farben, Girlanden, Graffiti, die ganze Deko, alles ist vorhanden. "Läuft hier wirklich ein Gamesfest?" Oh ja, absolut. Du triffst Leute jeglicher Couleur, gestylt oder ungestylt, skurril, verschroben, hipster und was sonst noch. Dann geht's hinein in die Urban Spree Gallery, einem Kulturtreff vollgepackt mit Mini-Ständen und Tischen. Hier kann der Besucher relaxed mit 'nem Bier in der Hand eine Fülle von Videospielen testen. Überall wird lebhaft diskutiert, auf Deutsch, Englisch, Französisch, Dänisch... man tauscht sich aus, spielt und amüsiert sich! Das sind meine ersten angenehmen und frappierenden Eindrücke auf dem A MAZE.

Das A MAZE ist mehr als nur ein Festival, es ist eine Organisation, ein internationales Label, das sämtliche mit Videogames verbundenen Disziplinen repräsentiert. Ihren Ausdruck findet diese Organisation in Form von Foren, Festivals, Vorträgen, Workshops, Magazinen oder Game Jams (also der Entwicklung von Spielen in kurzer Zeitspanne, wie dem Game Marathon "Tour Bueno"). Thorsten "Storno" Wiedemann, der Begründer und künstlerische Leiter von A MAZE, bezeichnet diese Kreationen und Konzepte als "neue Medien und Spiele, die Bezüge haben zum Punk, zur Kunst und zur Technologie." Damit wäre eigentlich fast alles gesagt - allein der Begriff "Punk" spricht für sich... 

Wer hätte geglaubt, dass Videospiele Punk sind? Genau diesen Mix findet man bei diesem Festival an allen Ecken und Enden. 

Egal ob "Line Wobbler", ein britisches Lichteffektspiel, das den "WTF! Award" gewonnen hat, ob "Cunt Touch This", ein Tablet-Touchscreengame aus Dänemark oder das interaktiv-magnetische "Magnesia": Man kommt aus dem Staunen nicht heraus.

Zahlreiche Spiele verfügen über eigene Benutzerschnittstellen, das heißt, der Gamer kann seinen Controller individualisieren und den Spielablauf selbst bestimmen. Das eröffnet ein endloses Feld an Möglichkeiten, Lenkrad, Joystick oder Tastatur haben ausgedient... Jeder kann steuern, was er will und wie's ihm beliebt. So werden die komplexesten Spielerlebnisse denkbar... Das Videogame wird zur virtuellen Realität. 

Von früh bis spät hört man hier Sätze wie "Hey, what's your favorite game?" oder "Wie ist das ganz da hinten?", "Das da blick ich überhaupt nicht!", "Probier mal den Bubble Shooter mit Kinect-Sensor und Oculus Rift!" Jeder kommuniziert hier seine persönliche Erfahrung, sein Verständnis eines Spiels oder eines Universums. 

Außer den Spiele-Vorführräumen kann der Besucher zahlreichen Vorträgen beiwohnen. Auch hier gibt es ein breites Angebot. Das Spektrum reicht von einem fast intim wirkenden Vortrag Nina Freemans, die erklärt, wie die Spiele ihr ermöglicht haben, sich zu öffnen, zu äußern und ihre Persönlichkeit zu entfalten, bis hin zum Auftritt von Tatiana Vilela, der dem Gamingprozess und seinen Parallelen zur Performance gewidmet ist, womit die Körpergestik gemeint ist. 

Einen weiteren Programmpunkt bilden schließlich sogenannte "Hypertalks", wo 10 Teilnehmer in 5 Minuten jeweils ganz unterschiedliche Bereiche ansprechen. Auch hier gilt: Je größer die Themenfülle, desto größer die Vielfalt an Referenten, von Game Designern über Entwickler bis zu Kreativen und Künstlern. Mal ist der Zugang eher mechanisch-psychologisch, das Sujet bodenständig, mal voll abgefahren. Hinter allen Beiträgen steckt jedoch die Idee, sämtliche Felder und Fragen abzudecken, die das Gaming aufwirft. 

Von den gängigen Video-Game-Klischees sind wir hier weit entfernt, und ich entdecke einen Aspekt, der mir bislang gänzlich unbekannt war: Wie spiele ich? Warum spiele ich Videospiele? Wie äußere ich mich durch Games? Warum nehme ich teil? Wie können wir ein Spiel gemeinsam entwerfen? Fragen, so komplex wie die kreativen Ebenen und Persönlichkeiten - und alles immer unter dem Motto: Mitmachen und Spaß haben!

Gaming ist eine Kunst, die Aktivsein verlangt. Du musst hinschauen, zuhören und interagieren, das ist für mich die Quintessenz dessen, was ich verstanden habe. Egal ob aktuell oder einfach nur schrill und skurril, hier geht's drum, dass all diese Spiele gespielt werden, und beim Spielen versteht man sie... 

... Naja... es muss nicht immer alles verstanden werden, man spielt ja auch nur zum Vergnügen! 

Emma Guerchon 

Links: 

• Festival
• Let’s Play?
• Tour Bueno

Dank an: 

• Tatiana Vilela, Entwicklerin spielerischer Experimente
Mech Bird http://www.mechbird.fr/ 
• Jonathan Penot, Game Designer bei Ankama 
• Pierre Corbinais, Journalist und Game Developper
http://oujevipo.fr/  und  http://www.games-magazine.fr/author/oujevipo/ 
• Guillaume Noisette 

Credits : 

• Regie /Kameraführung/ Schnitt : Mathieu Nieto 
• Konzeption & Redaktion : Emma Guerchon 
• Musik : Us & Sparkles
• Tonmischung : Frédéric Bouvier

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