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time-critical art
DER MALER:THOMAS PRASS WAS SIND MEINE THEMEN? WAS IST MEIN STIL? Ray Charles, der amerikanische Sänger und Komponist, hat einmal gesagt: "Singen und Klavier spielen kann ich, was ich aber brauche, um Musik zu machen, ist ein Thema". Malen und Bilder komponieren kann ich, aber was dazukommen muss, ist ein Inhalt, ein die Menschen berührendes Motiv. Früher haben die Maler, auch "Alte Meister" genannt, ihr Umfeld, Menschen, Schlachten, religiöse Themen usw. gemalt. Das mache ich auch. Unser Blick für die Realität ist heute manipuliert und getrübt. Uns wurde eingeredet, dass Fotos für die Darstellung unserer Welt seit etwa 1870 in schwarzweiss und seit 1936 in Farbe überlegen und viel besser geeignet seien, was für ein Unfug! Wenn heute ein Maler die Realität gegenständlich in Bildern abbildet, packt man ihn in die Schublade "Fotorealismus", ein idiotischer Begriff. Denn es stellt sich die Frage, ob ein Foto denn "real" sei oder nicht etwa eine auf chemischem oder digitalen Weg maschinell aus drei Farben plus hell/dunkel hergestellte mehr oder weniger geglückte Abstraktion. Schwarzweissfotos sind mit Sicherheit Abstraktionen, Farbfotos bis etwa 1980 zumeist gräßlich, was die Farben anging. Thomas Hoepker, einer der berühmtesten Fotografen und zwischen 2003 und 2007 Präsident der Fotoagentur Magnum, New York, bezeichnet sich nicht als Künstler, sondern als Handwerker. Dem stimme ich zu. Was macht den Unterschied? Der Maler, der Künstler, kann "zwischen den Zeilen lesen", er kann gestalten, die Dinge zu einem magischen Leben erwecken. Er mischt sich seine Farben nicht aus 3 Grundfarben, sondern aus mehr als 25 Pigmenten mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften zusammen. Was unterscheidet eine Mona Lisa von einem Foto? Oder die Erschiessungszene von Goya von einem Foto der Killing Fields, verbreitet von Presseagenturen wie AP oder DPA? In einer Zeit, in der "everything goes", Schnelligkeit, Billigkeit und massenhafte Reproduzierbarkeit vor Gehalt und Tiefgang gehen, ist es ein Politikum, gegen Schlampigkeit in der Kunst und für Qualität und Genauigkeit einzutreten. Ich mag den Satz des französischen Filmemachers Jean-Luc Godard: "Genauigkeit schafft Tiefe". Unser Auge sieht und unser Verstand erfasst viel mehr, als uns bewußt ist, und darum geht es in der Malerei. Man braucht ein Ei nicht ganz zu essen, um zu merken, dass es faul ist. Ebenso sehen wir viele Dinge auf den ersten Blick, darunter unbewusste, die unsere Entscheidungen prägen. DER MALER: THOMAS PRASS REALISMUS VERSUS ABSTRAKTION Es gibt nur eine reale Welt, und wir Menschen sind nicht deren Herren. Es ist - zumindest zeitweise ? eine sehr schöne Welt. Ferne Galaxien, der "Urknall" und sonstige Spinnereien interessieren nicht. Die Menschen sind nur Teil der Welt, also selbst Umwelt, genauso wie alle Kreaturen. Schädigen sie ihren Lebensraum, sterben sie aus. Die Welt wird aber weiterleben. In diesem Zusammenhang ist das Bibelzitat aus dem Johannisevangelium, aus dualistischem, monotheistischem, aber nicht ganzheitlichem Denken geboren, ein furchtbarer Satz: "Denn der Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat". Ich will nicht "überwinden", vor etwas flüchten oder beherrschen. Ich will als Maler innerhalb dieser organisch strukturierten Welt leben und sie darstellen, natürlich den Extremismus unserer Zeit kritisch und realistisch darstellen. In der Abstraktion geht alles, wie nach dem Motto des Sportbekleidungskonzerns Nike:"Just do it!" oder Toyota:"Nichts ist unmöglich!" Es fehlen die realen Bezüge, Bindungen. Damit lassen sich die Menschen extrem manipulieren. Hat man Menschen erst einmal davon überzeugt, dass eine vergilbte Leinwand mit ein paar dunklen Flecken grosse Kunst sei, kann man von ihnen auch verlangen, frohen Mutes nach Vietnam oder Stalingrad zu marschieren. In unseren Gehirnen sieht es aus wie in einem "action painting" von Jackson Pollock, und das haben die amerikanischen Geheimdienste und heimlichen Kulturmacher so geplant. Die Mächtigen der USA haben mit sehr viel Geld der öffentlichen Hand, aber auch von Sponsoren diese abstrakte Kunst gefördert. Heute geben die USA für etwa ein Dutzend Geheimdienste über 45 Milliarden US-$ pro Jahr aus, viele weitere für sogenannte Kulturförderung. Ich bin grundsätzlich gegen Subventionen und Sponsorship in der Kunst, denn damit gewinnt man Einfluß und bestimmt den Kurs nach dem Motto "money talks". Früher gab es einmal den Begriff "Bildende Kunst" für Malerei, Plastik, Grafik usw. Bilder werden vom Betrachter in Sekundenbruchteilen aufgefaßt und ausgewertet, ganz anders als Literatur, Theater oder Musik. Bilder formen unser Bewusstsein, und wer die Menschen beherrschen oder manipulieren will, der nimmt sich dem Thema "bildende Kunst" an. Dabei geht es um drei Aspekte: erstens Ästethik, Geschmack, die Gestaltung bzw. Form und Farbigkeit, zweitens um den Gegenstand der Malerei und drittens um das Umfeld, die Strukturen ganzheitlicher Bezüge zur Realität des Seins. Also nichts wahnsinnig Neues. Aber müssen wir denn aus Vermarktungszwängen dauernd alles erneuern? Sind wir nicht alle völlig überfordert mit diesem unmenschlichen Extremismus, der Unterwerfung unter den Nenner des Kommerzes und der westlichen Ideologie, dem "Border-Line-Leben"? Was ist denn Avantgarde? Kommt nach der sogenannten "Moderne" und der "Postmoderne" die "Extramoderne" oder "Giga-Moderne"? Wir sind von einem wahren Ozean von Informationen und visuellen Einflüssen umgeben. Fast alle diese Bilder, Werbe"botschaften", Unterhaltung, politische Inszenierungen, aber auch Kunstaustellungen sind abstrakt, abgehoben, irreal und vor allem Illusionen. Ich male diese Zustände, und ich versuche, die Realität in unserem Bewusstsein zu spiegeln. Schönheit wie sie die Natur in Fülle bietet, sollten wir geniessen, statt in Ekel und Seichtigkeit zu baden. Und immer wieder dieser niemals endende Kommerz: natürlich ist der Künstler dumm, der an einem Gemälde 12 Monate intensiv arbeitet und dafür fast nichts oder gar nichts bezahlt bekommt, während Kollegen dasselbe in 2 Stunden bei einer Flasche Rotwein locker durchziehen und Millionen "machen". Pablo Picasso hat täglich bis zu 3 Bilder gemalt, meist nach demselben Schema. Und er hat sich selbst gewundert, warum die Leute so viel Geld dafür bezahlen, war es doch Alltagsdeko. Heute ist Kunst eine Art zweite Währung, etwas wie Effecten bzw. Aktien oder Wertpapiere. Kunst ist ein Vehikel, um Steuern zu hinterziehen, Profite zu machen, sich in der Öffentlichkeit ein Image zu verschaffen oder Einfluß auf die Entwicklung der Gesellschaft zu nehmen. In einer offenen Gesellschaft sollte man darüber jederzeit offen sprechen dürfen, ohne ausgegrenzt zu werden. Derjenige Künstler, der wirklich kreativ sein und grosse Kunst schaffen will, ist angewiesen auf berufliche, finanzielle Unabhängigkeit, Gedankenfreiheit, und er braucht viel Courage und Beharrlichkeit. Meine Collagen wurden bisher von keinem verbeamteten Kurator, profitorientierten Kunsthändler oder den grossen Museen ausgestellt. Warum? Weil man Sklave der kommerziellen Zwänge zu sein glaubt, seine Karriere nicht ruinieren will und sich einfach dem ganz grossen Geld hingibt wie eine Hure. Man stelle sich nur einmal vor, dass einer von zehntausend Lemmingen in die entgegengesetze Richtung läuft, einfach so, ganz unspektakulär. Mit dem will man nichts zu tun haben... Und gerade die Deutschen haben doch reichlich Erfahrung mit dem Mitlaufen, dem "Don´t follow the followers", wie die Amerikaner sagen. Die Freiheit der Kunst, die Unabghängigkeit der Wissenschaften sind unabdingbar, um ein Kulturvolk langfristig zu tragen und eine intakte demokratische Gesellschaft voranzubringen. Es gibt, typisch für die sogenannte "Westliche Wertegemeinschaft", eine riesige Kluft zwischem dem, was behauptet wird und dem, was real ist, zwischen Worten und Taten. Daran haben wir uns dermassen gewöhnt, dass wir es als normal, ja die eigentliche Wahrheit ansehen, ein gespaltenes Bewusstsein zu leben. Die Amerikaner "gewöhnt an diese realen Zustände" nennen das Hypocracy, Heuchelei: vom Frieden reden und Raketen abfeuern. Wir schauen interessiert und doch indifferent zu, einfach so cool! Und wir wissen alles besser, nur machen wir´s nicht. Meine Bilder haben keinen praktischen Zweck, aber sie erzählen vom wahren Leben und basieren auf Gedankenfreiheit, Ganzheitlichkeit und dem Streben nach Schönheit. DER MALER: THOMAS PRASS ZEITKRITISCHE KUNST Wenn es nur noch um materielle Interessen geht, um den "profit per share per quarter", also das schnelle Geld, wird die Kommunikation belanglos, und das ist gefährlich. Wenn man über die Realität nicht mehr sinnvoll reden kann, muss man sie als Maler malen. Meine Bilder sind Kommunikation mit der Welt, sie zeigen uns Dinge, die man mit Worten, die der Lächerlichkeit preisgegeben zu sein scheinen, nicht mehr sagen kann. Sie erzählen Geschichten, die unsere Zeit dokumentieren. Noch nie gab es so viele Universitäten, Professoren, sogenannte Experten und Künstler-Millionäre weltweit, und noch nie haben die Menschen sich derart emotional leer und verlassen gefühlt. Ich möchte, dass wir unsere Welt mit ganz anderen Augen schauen, zurück zu einem massvollen Leben kommen und viel Freude am Leben, am Schönen und am Miteinander haben. Monotheismus führt zum Radikalismus. Das haben wir nun davon. Und: Think!
Sehr cool! Manchmal denkt man, ein David Lynch-Film sei gestartet, aber die Rückwärtseffekte helfen vor allem bei der Verdeutlichung der (sozialen) Rituale.



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